Auf einen Kaffee mit Sean Michael Plumb

Am 12. April gestaltet Ensemble-Mitglied Sean Michael Plumb einen Liederabend mit sehr menschlichen Stücken über Angst und Hoffnung. Und das, obwohl er von sich selbst sagt, eigentlich ein lustiger Mensch zu sein.

Ensemble-Mitglied Sean Michael Plumb
Ensemble-Mitglied Sean Michael Plumb

Du hast gerade eine Vorstellungsreihe von Così fan tutte hinter Dir, in der Du Dein Rollendebüt als Guglielmo hattest. Zuletzt konnte man Dich auch in La Cenerentola und Gianni Schicchi (Il trittico) sehen und hören. In der nächsten Saison wirst Du Papageno singen. Gefallen Dir diese lustigen Rollen? Passen sie zu Dir?
Absolut. Ich liebe komische Opern, ebenso wie die ernsten. In jeder Rolle versuche ich etwas Echtes in dem Charakter zu finden. Wenn es lustige Charaktere sind, ist das super, weil ich einfach Spaß auf der Bühne haben und herumalbern kann. Ich würde mich eher als lustigen Menschen einschätzen.

Macht es Dir also mehr Spaß, lustige Rollen zu spielen?
Ich würde nicht sagen mehr Spaß, aber die Rollen sind mir persönlich näher.

Wir können Dich also nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen?
Ich mag sie alle (lacht).

Bei Deinem Liederabend nächste Woche wird es dann etwas ernster. Auf dem Programm stehen Richard Strauss` Vier Lieder, Charles Ives' Songs of War, Dover Beach von Samuel Barber und Songs von Leonard Bernstein. Das ist ja ein eher schweres, melancholisches Programm. Wie und warum hast Du es so zusammengestellt?
Als ich gefragt wurde, den Liederabend zusammenzustellen, sollte ich Stücke wählen, die mich und meine Arbeit ausdrücken und keinen Standardliederabend machen mit ein paar französischen, ein paar englischen und ein paar deutschen Werken. Ich habe Stücke gewählt, die mich angesprochen haben.
Die Stücken spiegeln meiner Meinung nach gut die Gefühle wider, die Menschen momentan in dieser Welt haben: Angst und das Gefühl ganz klein zu sein im Angesicht von Problemen, die riesig sind. Jeder Komponist hat dieses Gefühl in seinen Liedern irgendwie ausgedrückt und das war meine Idee hinter der Auswahl der Stücke. Vielleicht gerade weil ich in letzter Zeit so viele lustige Sachen gespielt habe, wollte ich mal so was richtig Ernstes machen (lacht).
Aber die Lieder sind nicht nur traurig, es gibt etwas Hoffnungsvolles, etwas, nach dem die Komponisten gesucht haben. Es wird kein deprimierender Abend. Hoffe ich (lacht).

Dein Hausdebüt an der Bayerischen Staatsoper war die Rolle des Olav Bjaaland in der Uraufführung South Pole. Als Opernsänger muss man sich Rollen und Charaktere ja immer teilen. Was für ein Gefühl ist das, eine Rolle zu haben, die man bisher als einziger gespielt und gesungen hat?
Ja, das ist etwas sehr Besonderes. Ich konnte der Rolle meinen Stempel aufdrücken, weil ich der Erste war. Und ich konnte mit dem ursprünglichen Team zusammenarbeiten, mit dem Komponisten Miroslav Srnka, mit dem Librettisten Tom Holloway, mit Kirill Petrenko und Hans Neuenfels, mit diesen Ikonen der Musik. Und ich musste nicht berücksichtigen, was sich jemand anderes als Interpretation der Rolle 10, 20, 100 oder 300 Jahre zuvor ausgedacht hatte. Ich durfte sagen: das ist, was den Charakter ausmacht. Und das war der Beginn der Rolle. Vielleicht klingt das etwas selbstherrlich, aber es war sehr spannend und aufregend etwas zu machen, was wirklich meins war.

Wie und wann hast Du klassische Musik und Oper für Dich entdeckt?
Meine Mutter erzählt immer, dass ich schon gesungen habe, bevor ich ein Wort sprechen konnte. Angeblich hab ich schon im Kinderbett gesungen und alle aufgeweckt. Meine Mutter ist keine Sängerin, hat aber eine wunderschöne Stimme.
In der Schule habe ich dann entdeckt, dass man das auch lernen, also Unterricht im Singen nehmen kann. Meine Lehrerin war Opernsängerin und suchte eine Woche, nachdem ich bei Ihr angefangen hatte Unterricht zu nehmen, noch Mitglieder für den Kinderchor einer Opernaufführung. Und seitdem war ich immer im Kinderchor auf der Bühne. Sogar als ich in den Stimmbruch kam, war ich auf der Bühne, dann als Statist. Ich hab mich dann sehr früh in die Oper verliebt und hab sie nie verlassen. Es macht mich einfach glücklich und ich habe nie das Gefühl, „zur Arbeit“ zu gehen.

Du bist eigentlich aus den USA und lebst seit ein paar Jahren in Deutschland. Ist der Kulturschock schon ganz überwunden?
Nein. (lacht) Als wir hierhergezogen sind, meine Frau und ich, haben wir uns vorgenommen wirklich in München leben zu wollen und so viel wie möglich von der Stadt aufzunehmen. Meine Frau hat Ihren Job aufgegeben und Deutsch gelernt, wir haben unseren Hund mitgenommen. Wir sind hier wirklich zuhause. Aber natürlich gibt’s immer noch Kulturschocks. Ich kann Dir gar nicht sagen, wir oft ich am Sonntag aufwache und großes Frühstück machen will, aber ich war am Tag zuvor nicht einkaufen.

Aber was ich wirklich sehr schätze, ist, wie leidenschaftlich und engagiert das Publikum hier ist. Wie sehr sie die Musik lieben, egal ob jung oder alt, reich oder arm. Das war neu für mich. Hier gibt es so viel Operngeschichte, ich meine, Strauss hat hier komponiert, Wagner hat hier seine Opern geschrieben.

Was machst Du gerne in Deiner Freizeit – wenn Du nicht singst?
Ich geh mit meinem Hund Gassi. Ich versuche jeden Tag, woanders hinzugehen und neue Orte zu entdecken. Wir leben nah beim Englischen Garten und da gibt es einfach so viele schöne Plätze, wo du ganz allein sein kannst.

Und abgesehen vom Gassi gehen hast Du keine anderen Hobbies?
Opern singen und Gassi gehen. Das sind buchstäblich meine einzigen Hobbies (lacht). Nein, ich koche auch sehr gerne. So ein richtig tolles Boeuf Bourgignon zum Beispiel.

Noch ein paar kurze Fragen zum Schluss:

Wo singst du am liebsten: Dusche oder Bühne?

Die Bühne. Vor allem abends um 19.00 Uhr, wenn 2000 Leute in Publikum sitzen.

Was hast Du gesungen, als Du heute Morgen hier hergekommen bist?
Es sind eigentlich zwei Lieder: Papagenos zweite Arie, weil ich nächstes Jahr diese Rolle singe und natürlich übe. Und es gibt einen Akkordeonspieler, der immer denselben Song spielt: Despacito. Scheinbar kann er nur den.

Was ist der schlimmste (Opern-)Ohrwurm für Dich?
Also ich liebe das Stück, aber wenn ich es einmal um Weihnachten höre, bekomme ich es für die nächsten zwei Monate nicht mehr aus dem Kopf: das ist der Hexenritt aus Hänsel und Gretel.

Ensemble-Liederabend mit Sean Michael Plumb
Do, 12. April 2018, 19:30 Uhr
Wernicke-Saal
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