Auf einen Cappuccino mit Rachael Wilson

11.11.2016

Am Montag, den 14. November 2016, findet der zweite Ensemble-Liederabend im Wernicke-Saal statt. Diesmal stellt sich die junge Mezzo-Sopranistin Rachael Wilson mit ihrem selbst ausgewählten Programm aus Liedern von Gustav Mahler, Franz Liszt, Johannes Brahms und Manuel de Falla vor.

Am Tag nach der amerikanischen Präsidentschaftswahl haben wir uns diesmal mit Rachael Wilson getroffen. Die aus Las Vegas stammende Mezzo-Sopranistin war seit den frühen Morgenstunden wach, um das Endergebnis der Wahl in ihrer Heimat zu verfolgen. Sofort zitiert sie Leonard Bernstein:

"This will be our reply to violence: to make music more intensely, more beautifully, more devotedly than ever before."

Mezzo-Sopranistin Rachael Wilson

Schnell beschließen wir, uns auf ihren Liederabend zu konzentrieren, den sie nun ohne die erkrankte Elsa Benoit alleine bestreitet:

Das Programm für den Liederabend ist sehr abwechslungsreich, hat es für Dich eine bestimmte Bedeutung?
Prinzipiell mag ich Unbekanntes und Ungewöhnliches sehr gerne. Der Abend war allerdings ursprünglich gemeinsam mit Elsa Benoit geplant, die jetzt leider krank ist. Wir hatten eine Auswahl an Stücken zusammengestellt, die wir beide sehr gerne interpretieren und die auch miteinander harmonieren. De Falla zum Beispiel hatten wir mit Absicht ans Ende gesetzt. Es ist das Paradewerk für Mezzosopranistinnen, war eines der ersten Lieder, die ich gesungen habe. Ich denke, das ist dann ein fröhlicher Abschluss, um die Gäste nach Hause zu schicken.

Singst Du lieber in Deiner Muttersprache?
Das verwundert manche immer wieder, aber tatsächlich singe ich am liebsten auf Deutsch. Die Sprache verlangt viel mehr von einem, man muss sich in die Rolle versetzen können. Ich liebe auch die Opern von Wagner und Strauss!

Was machst Du eine Stunde vor dem Liederabend?
Ich komme immer sehr früh, um mich vorzubereiten. Beim Liederabend singe ich mich in dem Raum ein, in dem der Liederabend auch stattfindet. Ich muss spüren, dass an diesem Abend dieser Ort „mir“ gehört.

Wenn Du nicht Sängerin wärst, was hättest Du jetzt für einen Beruf?
Egal was, ich denke, ich hätte auf alle Fälle etwas mit Kunst und Kultur zu tun. Vielleicht Schauspielerin, Malerin oder Musikerin.

Hat sich seit Deiner Zeit im Opernstudio etwas verändert und wenn ja was?
In Amerika sind wir es gewohnt, immer zu arbeiten. Es gibt keine Pausen. Ich habe erst in Deutschland gelernt zu entspannen. Im Opernstudio war das aber noch nicht so, da wollte ich immer mehr und mehr. Seit dieser Saison genieße ich es aber auch einmal nichts zu tun und zu reisen. Interessanterweise fühle ich mich seitdem auch beim Singen viel freier und sicherer.

Wie stressig ist es für Dich, jeden Abend eine andere Rolle zu übernehmen?

Am schwierigsten ist es, sich in die kleinen Rollen zu versetzen. Ich möchte jeder Rolle einen Charakter verleihen, bei den kleineren Partien gibt es jedoch sehr wenig Informationen, um einen Charakter ausbilden zu können.

Ab wann war Dir klar, dass Du Sängerin werden möchtest?
Meine Mutter erzählt immer wieder gerne, dass ich schon als Kind oft grundlos laut geschrien habe. Als mein Onkel mich mit drei Jahren fragte, was ich werden möchte, antwortete ich sofort Sängerin! Mit 17 wollte ich dann eigentlich nur zum Spaß einem Chor in der Schule beitreten, als die Chorleiterin meinte: Wir zahlen Dir das Stipendium, wenn Du ins Opernfach wechselt. (lacht verschmitzt)

Was würdest Du jungen Menschen empfehlen, um ihren Traum vom Sänger-Dasein zu verwirklichen?
Kenne dich selbst und liebe was du tust!

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