Auf eine Maracuja-Schorle mit Goran Jurić

07.10.2016

Goran Jurić mit Maske (als Inquisitor in "Der feurige Engel") ...
Goran Jurić mit Maske (als Inquisitor in "Der feurige Engel") ...
... und Goran Jurić ohne Maske. (Fotos: Vera Hartmann)
... und Goran Jurić ohne Maske. (Fotos: Saskia Groneberg)

Seit dieser Saison können Besucher der Bayerischen Staatsoper die Mitglieder des Sängerensembles auf ganz neue und persönliche Art kennenlernen: Bei Liederabenden im Wernicke-Saal präsentieren die Sänger ein eigens zusammengestelltes Programm.

Den Anfang macht am nächsten Mittwoch, den 12. Oktober 2016, der Bass Goran Jurić. Wir haben Goran Jurić vorab schon getroffen, um mit ihm über die Programmauswahl zu sprechen und ihn ein bisschen besser kennen zu lernen. Wir haben uns bestens unterhalten und konnten Spannendes über den Sänger erfahren!

 

Das Programm für den Liederabend ist auf den ersten Blick ein bunt zusammengewürfelter Abend. Warum haben Sie gerade dieses Programm ausgewählt?

Goran Jurić: Im letzten Jahr starb meine Mutter, weshalb ich mich seit dieser Zeit viel mit dem Thema Tod auseinander gesetzt habe. Er zieht sich daher als roter Faden durch den Abend: Mein Liederabendprogramm besteht aus vier Blöcken, die sich auf unterschiedlichen Wegen der Thematik des Todes annähern. Loewe und Schubert beleuchten Mythologisches rund um den Tod. Von Rachmaninow und Tschaikowsky habe ich Lieder ausgewählt, die neben dem Tod auch die Liebe und das Leben besingen. Jacques Iberts Don Quichotte-Lieder eröffnen dahingegen eher fantastische Aspekte. Zum Finale habe ich mich für Lieder des Komponisten Bozidar Kunc aus meinem Heimatland Kroatien entschieden, der dem Tod auch eine gesellige Seite abgewinnen kann. Das letzte Trinklied drückt in etwa aus: Wenn wir schon sterben müssen, sollten wir vorher noch gemeinsam trinken!

Lieder in deutsch, russisch, französisch und kroatisch – steckt auch da eine Idee dahinter?

GJ: Meine größte Leidenschaft ist die Linguistik. Es ist mir daher wichtig, auch sprachlich einen abwechslungsreichen Abend zu gestalten. Deutsch, weil der Großteil des Publikums deutsch spricht. Das Russische ist zum Teil mit dem Kroatischen verbunden, daher fällt mir der Zugang leicht. Meine Pianistin Sophie Raynaud ist Französin, weshalb auch Ibert nicht fehlen darf. Und zu guter Letzt natürlich meine Muttersprache.

Was bedeutet Ihnen die Kunstform Lied?

GJ: Ich bin in den letzten Jahren durch die intensive Arbeit an der Oper eher selten dazu gekommen, Liederabende zu gestalten. Für mich ist es eine ganz eigene Technik und eine besondere Kunstform. Auf der Bühne, und vor allem im Nationaltheater, singt man in einem riesigen Haus mit großem Orchester und muss die Stimme technisch so einsetzen, dass Sie auch am letzten Platz noch zu hören ist. Das ist bei einem Liederabend natürlich ganz anders. Ein piano zu singen erfordert hier beispielsweise viel mehr Vorsicht und Gefühl. Außerdem ist man sein eigener Herr und muss „nur“ mit dem Klavier harmonisieren und nicht mit den anderen Partien, dem Chor und dem Orchester. Es geht dabei nur um die Kommunikation zwischen mir und dem Publikum – eine herrliche Erfahrung!

Welches Lied verbinden Sie mit Ihrer Kindheit?

GJ: (Muss laut lachen) Tatsächlich verbinde ich den spanischen Beitrag des Songcontests 1990 mit meiner Kindheit. Azucar Moreno mit dem Titel Bandito. Jugoslawien hatte im Jahr zuvor den Song Contest gewonnen und so fand er in unserem Land statt. Irgendwie ist mir das Lied als Kindheitserinnerung geblieben.
Azucar Morenos Bandido auf YouTube:  https://www.youtube.com/watch?v=htXKfmjdIRo 

Was machen Sie eine Stunde vor dem Liederabend? Haben Sie bestimmte Routinen, Aberglauben oder gar Marotten?

GJ: Ich bin nicht abergläubisch und gehe sehr konzentriert in einen Abend. Es sind eher simple biomechanische Vorbereitungen: Ausgeschlafen sein, zwei Stunden vorher nichts mehr Essen, 1/2 Stunde Einsingen und dann ab auf die Bühne.

Was wollten Sie ursprünglich mal werden?

GJ: Ich habe erst ein Jahr Chemie studiert, danach direkt Fonetik und Italianistik und erst im Anschluss Gesang – alles an der Universität in Zagreb. Also definitiv: Sprachwissenschaftler!

Welches ist Ihr Lieblingsplatz in München?

GJ: Es gibt so viele, aber gleich als erstes kommt mir die Türkenstraße in den Sinn. Ich liebe die Läden, das Studentische und die Nähe zum Englischen Garten!

Ihre Traumrolle, die Sie mal noch singen wollen?

GJ: Boris Godunow, Mephisto, Zaccharias

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