Applaus! Applaus! Applaus!

ApplausProbenL'enfant Et Les SortilègesDer Zwerg

Allein dass so etwas wie eine Applausordnung überhaupt konzipiert, geprobt und vor allem koordiniert werden muss, verwundert schon ziemlich viele Leute. „Machen das nicht die Sänger selbst?“ fragen sie dann und verkennen dabei, dass das Verbeugen der Solisten, des Dirigenten und (bei Premieren) des Regieteams einer strengen Choreographie unterliegt. Und dafür sind wir zuständig – die Spielleiter.

Wir Spielleiter bilden bei Neuproduktionen sozusagen das „Gedächtnis“ einer Inszenierung. Bei den Proben agieren wir eigentlich wie Regieassistenten und notieren zusätzlich in unserem eigenen Klavierauszug akribisch alle Abläufe und inhaltlich-psychologischen Motivationen der Figuren. Anhand dieser Notizen leiten wir dann die szenischen Proben zu allen Wiederaufnahmen im Haus – oft gar nicht so einfach, wenn eine Produktion schon länger als dreißig Jahre im Repertoire ist.

Doch zurück zur Applausordnung, die soll schließlich hier das Thema sein – und für uns Spielleiter ist dies vor jeder Neuproduktion tatsächlich auch ein großes Thema. Kurz vor der Orchesterhauptprobe (also der letzten Probe vor der Generalprobe) entwerfen wir eine erste Ordnung. Manchmal ist das ganz einfach: Dass zum Beispiel Salome die Hauptfigur von Salome ist, ist selbsterklärend. Wie jedoch bringt man die einzelnen Figuren von Maurice Ravels L’Enfant et les sortilèges in eine „richtige“ Ordnung? Neben der Titelpartie, dem Kind, hat dieses Stück 20 weitere Rollen, die allesamt ungefähr gleichviel zu singen haben. All diese Partien sind wiederum auf zehn Sänger verteilt, die teilweise doppelt oder dreifach auftreten müssen. Hier eine Applausordnung zu schaffen, ohne ein wenig „ungerecht“ zu sein, ist schier unmöglich. Deshalb besprechen wir uns vor der Orchesterhauptprobe auch zunächst mit dem Künstlerischen Betriebsbüro, dann mit dem Regisseur, von dessen Regiekonzept schließlich auch der Ablauf des Verbeugens abhängt.

Gibt es am Ende des Stücks einen Vorhang? Ist es der rote Hauptvorhang oder eine neutrale Schalldecke? Oder endet die Inszenierung mit einem „Black“? Einfach ist es beispielsweise, wenn nach Ende des Stücks der oder die Protagonisten zunächst vor den Hauptvorhang treten können: Nach Zemlinskys Der Zwerg treten mit dem Sänger der Titelfigur und der Sängerin der Infantin die beiden Stars des Abends zunächst vor den Vorhang und werden vom Publikum beklatscht. In der Zwischenzeit herrscht hinter dem Vorhang rege Betriebsamkeit: Die Technik entfernt alle Bühnenteile, die beim Auf- und Abgehen stören könnten, in anderen Inszenierungen wischt die Maske eventuell Bühnenblut ab oder jemand aus der Kostümabteilung muss einen Mantel zum Überwerfen reichen.

Und dann läuft die Applausordnung im Idealfall möglichst reibungslos ab. Zur Sicherheit steht am rechten Bühnenrand noch der Abendspielleiter und koordiniert den Ablauf, rufend und wild gestikulierend. Denn auch, wenn das Verbeugen vor der Vorstellung geprobt wurde – wer wollte nach einem anstrengenden Abend von einem Sänger erwarten, dass er das noch alles im Kopf hat? Zusätzlich ist die enge Abstimmung mit dem Inspizienten wichtig, sonst fährt plötzlich der Vorhang los, während sich noch ein Künstler verbeugt.

Glücklich sind wir in jedem Fall, wenn alles gut läuft: Unser Ablauf hat den richtigen Spannungsbogen, alle Künstler treten in der richtigen Folge auf und es gibt keine größeren Verzögerungen. Aber am wichtigsten ist und bleibt natürlich das Publikum – und sein Applaus.

Kommentare

  • Am 04.03.2011 um 15:05 Uhr schrieb Musicasola

    Man sieht es, dass es eine Applausordnung gibt, allerdings meist nur, weil es - in der ganzen Welt, nur natürlich nicht an der BSO ?:) - gelegentlich schief geht, und da kann es fürs Publikum sehr heiter sein! Was oft auch nicht geht, ist die Koordinierung mit der Technik für das Auf und Ab des Vorhangs: Wie oft sind die Künstler vom schliessenden Vorhang überrascht!

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