Abschied von den „Soldaten“

Die Soldaten

Das war nun also die letzte Vorstellung von Die Soldaten – zumindest für diese Saison. Auch bei ihrer Wiederaufnahme stellte Bernd Alois Zimmermanns Oper eine außergewöhnliche Belastungsprobe für's Haus, die Sänger, die Musiker und alle Beteiligten dar. Doch vielleicht gerade wegen der extremen Anforderungen steckten alle Mitwirkenden erneut ein Höchstmaß an Energie und Enthusiasmus in die Aufführungen.

Von der aufwändigen Bühnentechnik für Harald Thors bewegliches Kreuz über die immensen sängerischen Anforderungen bis hin zum monströsen Orchesterapparat waren alle Abteilungen gefordert. Der Erleichterung über das Vollbrachte mischt sich allerdings auch eine gehörige Portion Wehmut bei: Ein bewegender Opernabend verschwindet mit den zur „Aufführung des Jahres 2014“ gekürten Soldaten nun wieder von der Bühne. Zunächst zumindest – eine Wiederaufnahme ist geplant.

Kommentare

  • Am 20.11.2014 um 12:48 Uhr schrieb Ein Besucher

    Reflexionsgelegenheit

    Loben kann man das Handwerk der Aufführung, auch das Bühnenbild, das Orchester, die Sänger, etc. - inhaltlich muss man das Ergebnis der Aufführung aber deutlich als eine Themenverfehlung benennen.

    Es ist nicht gelungen, den Urtext, das Libretto, die Regie, oder die Deutungen der Sänger auf die Bühne zu bringen - das ist sehr lehrreich! - und zwar deswegen, weil in Interviews ein ganz anderes Vorhaben im Sinne war, und sich das Stück dann auf der Bühne verselbständigt selbst anders vollzogen hat.

    Die Regie will zwar (auch mit dem Bühnenbild, dem Kreuz, als dem Skandalon) zwar der Libretto-Vorgabe folgen, die Vergewaltigung eben nicht in #Aufschrei-Manier als kollektiv-personalistisch-weibischen und großen 'Ich-Leide' -Aufschrei darstellen, auch die Sängerin will ihre Hauptrolle nicht als reines Opfer erscheinen lassen und will offenbar so ein bisschen die plumpe Täter-Opfer-Schuldzuweisungs-Struktur verlassen - aber auf der Bühne vollzog sich eben gerade dies.

    Man applaudiert am Schluss einer Vergewaltigungszene, die von der Regie/Choreographie und der persönlichen Darstellung her völlig unzureichend vom bloß personalisitischen Leid hinweg-weist, man applaudiert also leider doch der Darstellung persönlicher Vergewaltigung, bei der die Darsteller sich eben doch als Opfer identifizierend von Berufswegen schein-vergewaltigen lassen - was für eine Themaverfehlung!

    Gerade da das Kreuz den Hintergrund und den intellektuellen Spannungsbogen aufspannt, muss man dann auch die Arbeit zustande bringen, diese Höhe zu erreichen, und nicht Kreuzigungen nachspielen, bei der es dann doch wieder um das arme Opfer 'Frau' geht, und der bösen Gesellschaft (jaja, die sich selbst 'fickt'), die man heutzutage nicht mehr ideologiefrei nur noch als Männeransammlung denken kann.

    Wozu dann die 'Mütter' auf der Bühne, die erst den Fluch, die (A-)bewertung aussprechen und das Unheil des Ausstoßens geistig und hetzend vollziehen, wenn am Ende doch wieder die Gesellschaft nicht als genderübergreifende Veranlagung menschlichen Seins auf die Bühne gebracht wird...

    Wenn man dann schon die persönliche Mittäterschaft der Hauptfigur herausstellen will, und gleichzeitig an der Urschuld der Gesellschaft, dann aber bitte richtig: Wenn sich die Hauptfigur irgendwann jedem Manne an den Hals schmeißt, dann kann es ja nichtmehr die Plumpe Kausalität der bösen Männer sein, die das Opfer Frau herumschieben, als könne sie sich nicht selbst steuern, sondern dann muss man es so darstellen, warum die Hauptfigur schon gar nicht mehr anders in der Lage ist, eine aufrechte Beziehung einzugehen (und zu dieser dann auch entgegen dem Kollektiv zu stehen: das wäre wirklich stark und emanzipiert).
    Man müsste das Ausgestoßensein ur-ursprünglich als etwas bereits (ontologische) vollzogenes beschreiben, das sich noch nicht klar zeigt, aber sich durch die aktive Opferrolle durch das Opfer selbst hinweg verwirklicht.
    Warum kann die Frau sich selbst nur als Opfer von irgendetwas sehen, und nicht zu ihrer Liebe und ihrer Schwäche stehen, und für sich selbst eine eigene Bewertung festhalten, an sich festhalten?

    Spöttisch gesagt: Selbst ein billiger Horror-Streifen wie SAW schafft diese Differenzierung. (Das weibliche Opfer, das am Krankenbett des Täters sich nicht persönliche Schuld einreden lässt, nur weil sie aktiv etwas 'verbotenes' gewünscht und getan hat.)

    Ich konnte zu dieser Aufführung nicht applaudieren, weil sich auf der Bühne wirklich genau das vollzogen hat, was eigentlich als Andeutung und als Kritik gemeint war.

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