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RigolettoPlakate

Ein Gesicht, in wenigen klaren Linien gezeichnet. Einzelne Gesichtspartien sind durch graphische Muster voneinander abgesetzt, an die Pop-Art der 70er Jahre erinnernd. Ein Mann in Trauer? In Verzweiflung? Hat er Angst? Seine Mundwinkel sind nach unten gezogen, Stirn und Brauen verkrampfen sich. Er weint – oder was ist das, was ihm da aus den Augen tritt?

Das Motiv des Künstlerduos Rigoletto-Plakat zu sehen ist, sorgte gestern, als wir es auf auf Facebook und Twitter vorstellten, für vielerlei Reaktionen: Rund 150 Freunde der Bayerischen Staatsoper gaben an, dass ihnen das Motiv gefalle – doch es kamen auch negative, teilweise sehr heftige Äußerungen.

„Scheußlich“, „abscheulich“, „eine Zumutung“ ist da zum Beispiel zu lesen. Ein User spielte sogar mit dem Gedanken seine Karten für die Aufführung zurückzugeben, ein anderer wollte einen Papierflieger aus dem Plakat basteln und immer wieder wurde gefragt „Ist das Kunst oder kann das weg?“.

Was an diesem Motiv ruft so heftige Reaktionen hervor?

In Verdis Rigoletto versucht der Protagonist, seine Tochter vor dem triebhaften Herzog von Mantua zu schützen. Und doch ist er selbst zutiefst in dessen Machenschaften verstrickt. Als er sich durch Mord aus dieser Zwickmühle zu befreien versucht, scheitert er – und verliert das Liebste, was er besitzt.

Das Rigoletto-Motiv von Craig & Karl zeigt in albtraumhafter Überdeutlichkeit einen trauernden Mann. Nichts mehr, nichts weniger. Assoziationsräume eröffnen sich, zu Verdis Oper, vielleicht zu eigenen Erfahrungswelten. Das mag als hässlich empfunden werden, das mag auch manche verstören. Aber es lässt offensichtlich kaum jemanden kalt. Und das ist schließlich nicht das schlechteste, was sich über Kunst sagen lässt.

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Kommentare

  • Am 16.11.2012 um 16:59 Uhr schrieb krieghans

    sind wir doch froh dass es keine Affen sind, hatten wir beim letzten Rigoletto,

  • Am 16.11.2012 um 17:14 Uhr schrieb trouver2012

    das plakat erinnert eher an peter gauweiler, denn an rigoletto. und die kalten farben dieser ganz und gar unsinnlichen gestaltung, sind eine zumutung. nein, das ist einfach daneben.

  • Am 16.11.2012 um 17:20 Uhr schrieb xy

    Nö, ich finde nicht, dass es verstörend ist und (deshalb?!) große Kunst. Ich finde es einfallslos, platt, banal, mit so einer "mein Gott, sind wir mal wieder hip und provokativ"-Attitüde. Das ist keine Kunst, sondern bestenfalls Kunstgewerbe.

  • Am 16.11.2012 um 17:27 Uhr schrieb Johannes Lachermeier - Online-Redaktion

    Liebe(r) xy, dass das Plakat verstörend ist, haben wir nie behauptet. Offenbar wird es aber vielfach so wahrgenommen.

  • Am 16.11.2012 um 17:58 Uhr schrieb xy

    Hm, in der drittletzten Zeile steht "verstören".

  • Am 16.11.2012 um 18:14 Uhr schrieb xy

    Außerdem finde ich es ganz amüsant, dass man nicht einfach sagen darf, dass etwas schlecht oder scheußlich oder misslungen ist. Natürlich ist das eine subjektive Meinung, aber ich möchte so eine Aussage nicht als aufgeschreckte Kunstrezeption psychologisiert sehen.

  • Am 16.11.2012 um 18:22 Uhr schrieb Johannes Lachermeier - Redaktion

    Liebe(r) xy, Ihre Meinung zum Plakat sei Ihnen unbenommen. Es ist völlig legitim, das Motiv schlecht zu finden, so wie jede Meinung dazu legitim ist. Im Beitrag steht jedoch auch nur, dass das Motiv manche (!) Personen verstört. Und das scheint mir durchaus bei einigen Kommentaren der Fall gewesen zu sein.

  • Am 16.11.2012 um 18:45 Uhr schrieb Unwissender (m)

    Sehr geehrter Herr Lachermeier,

    leider kann ich der Intention Ihres letzten Postings nicht so wirklich folgen. Klingt ja schon fast wie eine Selbstverteidigung. Ich wäre jetzt schon beinahe versucht Boethius zu zitieren.

    Es wurde in die Runde gefragt, wie das Plakat gefällt. Natürlich gibt es welche, die es toll finden, andere sind neutral und wieder anderen gefällt es nicht. Man muss doch dann aber nicht so verkrampft (wie Sie es in meinen Augen machen...sorry dafür...) die Kritiker in die Ecke "Du darfst Deine Meinung haben, aber besser Du behältst Sie für Dich, denn sie ist falsch" drängen.
    Dazu gehören meiner Meinung nach auch Wortklaubereien.

  • Am 28.11.2012 um 23:19 Uhr schrieb Robert Kühn

    Rigoletto leidet. Deshalb leiden seine Mitmenschen. Das kommt in dem Plakat sehr gut rüber. Wer "La donna e mobile" schön findet, kennt die Oper Rigoletto nicht. Gestalterisch erinnert mich die Plakatarbeit an afrikanische Masken und ist in seiner comicartigen Gestaltung sehr archaisch. Und die Triebkraft in der Oper Rigoletto ist, wie so oft, klar: Tod und Sexualität. Und wer jetzt schreit: Aber die Musik ist doch so schön!! - dem sei gesagt: Wo ist da ein Gegensatz? Unsere Welt tut auch ständig so, als ob sie sich vor Schönheit kaum retten könnte. Gleichzeitig boxt sich jeder durch, oft auch auf Kosten anderer. Schön, nicht?

  • Am 30.11.2012 um 19:11 Uhr schrieb xy

    Unabhängig davon, ob mir das Plakat gefällt, oder nicht (ich finde es sehr gut, auch, wenn es mich nicht wirklich vom Hocker reißt), frage ich mich, ob Ihnen als Machern/Veröffentlichern vielleicht schon der Gedanke gekommen ist, dass Einige glauben könnten, der Dargestellte sei geblendet worden und nicht "nur" ein Weinender? Die schwarze Tränenflüssigkeit könne darauf hinweisen. Ehrlich gesagt kann ich nämlich derart heftige Reaktionen nicht nachvollziehen. Wirklich nicht das provokativste Plakat - auch nicht der Staatsoper. (ich drücke hiermit mein Erstaunen über die Reaktionen aus und nicht meine Verachtung)
    Meiner Meinung nach schreit das Plakat ansonsten: ich bin PLAKATIV. Wie sollte man eine Oper wie Rigoletto denn sonst finden? Ebenso freut mich die comichafte Anmutung. Die Handlung würde perfekt für eine düstere, sich kathastrophal verengende Graphik Novel taugen. Auch finde ich den Effekt interessant, dass einem nicht nur das Motiv sondern auch die Farbgebung regelrecht... weh tut und dem Betrachter selbst die Tränen in die Augen treibt - somit nicht nur psychisch, sondern auch physisch Schmerz überträgt.
    Möglicherweise könnte das Plakat für jemanden mit Rot-Grün-Schwäche aber etwas schwierig sein?

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