Farewell, Dame Joan!

GeschichteJoan Sutherland

Notiz vom 24. Februar 1978 an Prof. Everding und Prof. Sawallisch: Am Vortag hat der Geschäftsführende Direktor der Bayerischen Staatsoper, Dietmar Schwab, “fernmündlich” mit Hannagret Bueker gesprochen und “mitgeteilt, daß die Staatsoper, falls wir uns finanziell einigen können, grundsätzlich an einer Liedermatinée am 29.4.1979 interessiert sei. Frau Bueker wird feststellen, welches Honorar Frau Sutherland und der Pianist fordern; sie gibt Nachricht.”

Danach folgen lange Verhandlungen. Das von der Agentur geforderte Honorar wird von der Staatsoper zurückgewiesen, man einigt sich schließlich in der Mitte. Dass Sutherlands Ehemann, Richard Bonynge, sie am Klavier begleiten wird, ist jedoch von Anfang an klar. Und schließlich gibt es ein glückliches Ende: Der Vertrag zwischen Agentur und Bayerischer Staatsoper wird geschlossen, die Liedermatinee wird für den 29. April 1979 angekündigt.

Doch einen Monat bevor die Matinee stattfinden soll, droht die Absage: Wegen der Generalprobe für einen Abend mit La Sylphide im Rahmen der Ballettfestwoche ist das Nationaltheater am Vortag der Matinee durchgehend belegt – und Joan Sutherland wünscht dringend noch eine “akustische Probe” abzuhalten. Ohne diese, so die Agentur, sähe sich Frau Sutherland gezwungen abzusagen.

Wie diese Probe schließlich ermöglicht wurde, wissen wir leider nicht. Dass sie jedoch stattfand, nehmen wir stark an: Denn am 29. April trat Joan Sutherland begleitet von Richard Bonynge tatsächlich im Nationaltheater auf. Werke von Händel, Rossini, Verdi, Mascagni, Bellini, Donizetti, Massenet und Cimara standen dabei auf dem Programm. Ob der Matinee Erfolg beschieden war und was für eine Sternstunde “La Stupenda” den Münchnern bereitete, können wir aus den Akten nicht ablesen. Leider war dies auch ihr einziger Auftritt an der Bayerischen Staatsoper, danach war sie nie wieder zu Gast.

Joan Sutherland war also keine Künstlerin, die eng mit dem Münchner Nationaltheater verbunden gewesen wäre. Dennoch: Wir sind glücklich und auch ein bisschen stolz, dieser Sängerin zumindest einen Auftritt zu verdanken. Farewell, Dame Joan!

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