7 Facts about Maria Callas

7 Fakten, die Ihr über Maria Callas vielleicht noch nicht wusstet

Widmung auf einem Autogramm: Felicissima di Ritornare in Germania! - übs. Überaus glücklich wieder in Deutschland zu sein – Maria Meneghini-Callas

1. Die Callas nippt am Münchner Bier

Insgesamt dreimal trat Maria Callas in München auf (1959, 1962 und 1973), doch nie in der Bayerischen Staatsoper. Bei den ersten zwei Besuchen lag das Nationaltheater noch in Trümmern. Doch zwei der drei Auftritte am 21. Mai 1959 und später am 12. März 1962 – allesamt Konzerte im Kongress-Saal des Deutschen Museums – wurden vom Bayerischen Staatsorchester begleitet. Jeder Besuch der Landeshauptstadt war von viel Tamtam und teils reißerischen Schlagzeilen begleitet: „Die Callas nippt am Bier“, „Die Callas in München eingetroffen“, „Callas-Karten sind Trumpf“, „Die Callas als Gast der Stadt“, „Callas in München, aber es gab einen Skandal“. Besagter Skandal war übrigens ein geplatztes Live-Fernsehinterview mit der Diva, die zwei Stunden zu spät aus Stuttgart erschien.

2. Immer den parfümierten Taschentüchern hinterher

Bereits in jungen Jahren wurde bei Maria Callas eine fortgeschrittene Kurzsichtigkeit diagnostiziert. Doch eine hässliche Brille mit dicken Gläsern kam für die Callas nicht in Frage. Die trug sie nur bei den Proben. Bei Aufführungen war die Sängerin dann schon halbblind auf der Bühne und konnte wohl auch den Taktstock des Dirigenten kaum sehen. Um dieses Handicap zu lösen, lernte sie die Partituren auswendig. Regisseur Luchino Visconti wiederum tränkte Taschentücher mit seinem Lieblingsparfüm „Hammam Bouquet“ für sie und deponierte diese an Orten auf der Bühne, an denen Maria Callas länger verweilen sollte. So konnte Maria Callas dem Geruch folgen und sich orientieren, falls sie die Markierungen nicht sah.
Später behalf sie sich offenbar mit sogenannten „Haftschalen, die sie sich unter die Augenlider klebte“, ein um ein vielfaches größerer, härterer und zerbrechlicherer Vorreiter der Kontaktlinse.

3. Eine Hühnersuppe von Marlene Dietrich

„Ja, zu Anfang musst du das Glück haben, mit einer guten Stimme geboren zu sein, aber auch mit guten Nerven“, sagte Maria Callas einst über ihren Beruf. Die eigenen Nerven lagen am 29. Oktober 1956 jedoch blank: Callas sollte an der Metropolitan Opera in New York nach langem Hin und Her in der Rolle der Norma debütieren. Dem Auftritt ging ein Skandal um ihre Gagenhöhe voraus, das Haus war vollbesetzt mit Prominenten und es sollte der Saisonauftakt am Opernhaus sein. Die Callas muss dermaßen aufgeregt gewesen sein, dass sie einen Weinkrampf in der Garderobe bekam. Star-Mentorin Marlene Dietrich brachte ihr zur Beruhigung vor der Vorstellung eine selbstgemachte Brühe vorbei, was sie sehr rührte.
Der Auftritt glückte – wegen der deutschen Brühe? Wer weiß.
Nebenfakt: Bei diesem gesellschaftlichen Großereignis erschien auch Aristoteles Onassis. Zu diesem Zeitpunkt kannten sich Callas und der Reedereibesitzer jedoch noch nicht. Ihr erstes „Aufeinandertreffen“ war somit aber schon früher als oft angenommen.

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Maria Callas mit Ehemann Batista Meneghini und Marlene Dietrich in der Garderobe, Metropolitan NY, 29. Oktober 1956,

4. Alles für den Pudel

Ihre Pudel waren Maria Callas heilig. Wo es ging, waren sie immer dabei, mal nur einer, mal zwei. Besondere Bekanntheit erlangte dabei ihr Zwergpudel „Toy“:  Journalist George De Caravalho musste den noch jungen Welpen als Bedingung für das legendäre Interview für das "Time Magazine" von Rom zu ihr nach Mailand mitbringen. Dass dieser jedoch noch nicht ganz stubenrein war, musste der Anzug des Korrespondenten im wahrsten Sinne des Wortes „ausbaden“. Ob de Caravalho noch einen zweiten Anzug dabei hatte, ist nicht bekannt. Das Interview jedenfalls kam zustande.  Laut Maria Callas waren ihre Hunde, die einzigen, die sie nicht verraten würden. Daher setzte sie auch alles daran, dass die Metropolitan Opera allein für sie eine Ausnahme machte und die Hunde bei Proben zuließ. Dass besagte Pudel aber bei ihren Wagner-Arien angeblich das Jaulen anfingen, störte Maria Callas nicht. Die Pudel mussten immer und überall bei ihr sein. Und wenn wegen der strengen Quarantänevorschriften die Hunde z. B. nicht bei Gastspielen in London dabei sein konnten, so wurden eben die Gastspiele verschoben. Dies führte so weit, dass der Intendant von Covent Garden sogar eine diplomatische Regelung für die Pudel erwirkte.

5. Kein Lavendel für die Callas

Als Maria Callas einmal besagte Pudel aus einem Hundesalon in den USA abholte, trugen diese lavendelfarbene Schleifen. Für die abergläubische Callas ein Affront. Lavendel bedeutet in der italienischen Theaterwelt Unglück. Ganz grundsätzlich schien die Callas dem Aber- und Schicksalsglauben nicht abgeneigt, so ließ sie sich vor ihrem einzigen Filmprojekt „Medea“ unter der Regie von Pier Paolo Pasolini von einer Astrologin beraten. Und auch während den anschließenden Dreharbeiten in der Türkei orderte die Sängern immer wieder englische oder italienische Zeitungen, um das Horoskop zu lesen.
Ihrer Freundin Nadja Stancioff erzählte Maria Callas einmal, dass die wichtigen Dinge in ihrem Leben ausnahmslos an einem Tag mit einer 3 oder 6 oder 9 im Datum passierten, das seien ihre Glückszahlen.
Was sie damals noch nicht wusste: Auch ihr Todesdatum würde eine 6 und 9 im Datum enthalten, nämlich der 16.9.1977. Und genau dieser vergleichweise frühe Tod war ihr auch von einer Wahrsagerin – eben bei besagten Dreharbeiten in der Türkei, im Basar von Nevshehir – aus der Hand gelesen worden. Diese prophezeite ihr, dass sie jung sterben, aber dabei nicht leiden werde. Davon erschrocken und aufgewühlt, soll sie am Abend noch viel über die Macht des Okkulten gesprochen haben.

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Maria Callas beim Schlußapplaus zu Donizetti´s Poliuto, 7. Dezember 1960, Mailänder Scala, Im Hintergrund in der Loge Grace Kelly, Prinz Rainier von Monaco und Aristoteles Onassis

6. Ein Strauß Radieschen

Ihre Kurzsichtigkeit führte auch zu folgender bekannten Anekdote. Zwischen ihr und Sängerin Renata Tebaldi gab es eine vor allem von den Fans ruchlos ausgetragene Fehde. Bei den Auftritten der Sängerinnen saßen regelmäßig Anhänger der „Gegnerin“ im Zuschauerhaus und buhten lautstark. Nach einer erfolgreichen La Traviata in der Mailänder Scala regnete es neben Rosen und Nelken sogar Radieschen von der Galerie. Als Maria Callas aufgrund ihrer Kurzsichtigkeit aus Versehen einen solchen Radieschenbund aufhob und ihren Faupaux erkannte, schnupperte sie daran, lächelte charmant und bedankte sich für den leckeren Salat. Diese Schlagfertigkeit hinderte die Anhänger von Tebaldi jedoch nicht daran, ihr Jahre später auch an der Metropolitan Opera in New York Radieschen auf die Bühne zu werfen – mit dem Kommentar: „Du hast sie in Mailand bekommen, du sollst sie auch hier haben.“

© Peter Poradisch, GFDL und CC-BY-SA2.5, Wikimedia Common CC BY-SA 3.0

Gedenktafel am Urnengrab von Maria Callas auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise

7. Ein leeres Grab

Maria Callas verstarb am 16. September 1977 in ihrer Pariser Wohnung. Ihre Urne wurde auf dem berühmten Pariser Friedhof Père Lachaise beigesetzt. Allerdings bemerkte man ein Jahr später, einen Tag nach Weihnachten, dass die Urne „verloren“ gegangen sei. Man startete sogar einen Aufruf im Fernsehen mit der Bitte, die Urne wieder zurückzugegeben. Am darauffolgenden Tag – am 26. Dezember 1978 – tauchte die Urne tatsächlich in einer entlegenen Ecke des Friedhofs wieder auf. Daraufhin wurde sie vorsichtshalber in einem Tresor einer Pariser Bank deponiert, bis man die Asche von Maria Callas sechs Monate später im Juni 1979 in der griechischen Ägäis verstreute. Das heute noch existierende Grab am Friedhof Père Lachaise ist also leer.


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