150 Jahre „Tristan und Isolde“

GeschichteTristan und Isolde

Angelos II Quaglios Entwurf für das Bühnenbild des 1. Akts der Uraufführung am Münchner Hof- und Nationaltheater 1865.
Angelos II Quaglios Entwurf für das Bühnenbild des 1. Akts der Uraufführung am Münchner Hof- und Nationaltheater 1865.

Tod und Transzendenz, höchste Ekstase und der Eintritt in die Harmonik der Moderne: Kaum eine Oper des 19. Jahrhunderts bewegt bis heute so sehr die Gemüter wie „Tristan und Isolde“. Inhaltlich wie musikalisch übt Wagners „Handlung in drei Aufzügen“ auch 150 Jahre nach ihrer Uraufführung eine große Faszination aus. Ein kleiner Rückblick in Wort und Bild auf einige Produktionen und denkwürdige Ereignisse von der Uraufführung bis heute.

10. Juni 1865: Im Münchner Hof- und Nationaltheater wird Richard Wagners „Tristan und Isolde“ uraufgeführt. Zum 150. Mal jährt sich also heute der erste triumphale Münchner Erfolg des Komponisten, der in einer bewegten Aufführungsgeschichte bis heute nachklingt. Von der Wirkmacht seines Werks fest überzeugt, war sich Wagner vor der Uraufführung noch sicher, dass „nur mittelmäßige Aufführungen“ die Oper retten könnten: „Vollständig gute müssen die Leute verrückt machen, – ich kann mir’s nicht anders denken. So weit hat’s noch mit mir kommen müssen!!“

Gleich zwei Dirigenten sollten dem „Tristan“ im Münchner Nationaltheater zum Opfer fallen: Das Ende seines 100. Dirigats der Oper sollte Hofoperndirektor Felix Mottl am 21. Juni 1911 nicht mehr erleben. Während der laufenden Vorstellung brach er am Dirigentenpult zusammen und starb nur wenige Tage danach. 57 Jahre später sollte Joseph Keilberth ein ganz ähnliches Schicksal ereilen: Im zweiten Akt der Oper erlitt er einen Herzinfarkt und starb kurz darauf.

Vor allem Keilberths Tod ist bis heute im Haus präsent: In den Stimmen der Orchestermusiker, die bereits seit 1938 verwendet werden, ist der Todeszeitpunkt exakt vermerkt. Anekdoten über seinen Zusammenbruch kursieren bis heute und prägen das kollektive Gedächtnis des Bayerischen Staatsorchesters. Und auch ein Hornist, der zu den weit Nachgeborenen gehört, meint: „An der Stelle ist einem doch immer etwas mulmig.“

Der Ruf des „Tristan“ als tödliche Oper hatte sich schon kurz nach der Uraufführung verfestigt: Der erst 29-jährige Ludwig Schnorr von Carolsfeld starb nach drei Aufführungen der Oper an bis heute nicht geklärten Umständen. Heute wird allgemein Typhus oder Meningitis als Todesursache vermutet – dass die Partie des Tristan bis zum Tode anstrengend sei, hatte sich jedoch schnell in den Köpfen von Publikum und Sängern festgesetzt.

Aber natürlich: Bei welcher Oper als dem „Tristan“ wäre eine solche Mythenbildung passender? Vom „Liebestod“ ist ja immer die Rede, wenn es um Isoldes Monolog am Ende des 3. Akts geht, ganz entgegen der Intention Wagners, der lieber immer von „Isoldes Verklärung“ sprach. Konsequent setzte dies Peter Konwitschny 1998 in seiner bis heute gespielten Inszenierung um: Zu Isoldes „Mild und leise“ erhebt sich der eben verstorbene Tristan wieder. Das Paar legt seine bunten Kostüme ab und tritt in schwarzen Unterkleidern von der Hauptbühne in den nachtschwarzen Vordergrund der Bühne. Im Hintergrund trauern Brangäne und Marke an ihren Särgen. Nicht der Tod steht hier am Ende, sondern das Eintreten des Liebespaars in eine neue Realität.

Wir sagen also: Herzlichen Glückwunsch zum 150. Geburtstag, Tristan und Isolde, und freuen uns auf das Wiedersehen bei den Opernfestspielen im Juli!

Von der Uraufführung bis heute: „Tristan“ an der Staatsoper

Auch das legendäre Paar der Uraufführung Malwine und Ludwig Schnorr von Carolsfeld verhalfen der Uraufführung von "Tristan und Isolde" unter Hans von Bülow zum Erfolg.
Auch das legendäre Paar der Uraufführung Malwine und Ludwig Schnorr von Carolsfeld verhalfen der Uraufführung von "Tristan und Isolde" unter Hans von Bülow zum Erfolg.
Eine Szene aus dem 3. Akt von Kurt Barrés Inszenierung von 1927: Als Tristan und Isolde traten Otto Wolf und Elisabeth Ohms auf.
Eine Szene aus dem 3. Akt von Kurt Barrés Inszenierung von 1927: Als Tristan und Isolde traten Otto Wolf und Elisabeth Ohms auf.
Unter der musikalischen Leitung von Clemens Krauss feierte 1937 die Neuproduktion mit Gertrud Rünger und Julius Pölzer in den Titelpartien Premiere.
Unter der musikalischen Leitung von Clemens Krauss feierte 1937 die Neuproduktion mit Gertrud Rünger und Julius Pölzer in den Titelpartien Premiere.
Die erste Neuinszenierung nach dem Zweiten Weltkrieg: Unter der musikalischen Leitung von Georg Solti sangen Helena Braun und August Seider die Titelrollen.
Die erste Neuinszenierung nach dem Zweiten Weltkrieg: Unter der musikalischen Leitung von Georg Solti sangen Helena Braun und August Seider die Titelrollen.
Ein abstrahiertes Bühnenbild bestimmte Rudolf Hartmanns Inszenierung von 1965. Die Rolle des Tristan wurde von Fritz Uhl gesungen. – © Rudolf Betz
Ein abstrahiertes Bühnenbild bestimmte Rudolf Hartmanns Inszenierung von 1965. Die Rolle des Tristan wurde von Fritz Uhl gesungen. – © Rudolf Betz
Die Isolde wurde von Ingrid Bjoner gesungen. Herta Töpper war die Brangäne. Tragisch: 1968 brach der Dirigent Joseph Keilberth während des zweiten Akts der Oper am Pult zusammen und starb. – © Rudolf Betz
Die Isolde wurde von Ingrid Bjoner gesungen. Herta Töpper war die Brangäne. Tragisch: 1968 brach der Dirigent Joseph Keilberth während des zweiten Akts der Oper am Pult zusammen und starb. – © Rudolf Betz
In den Stimmen des Bayerischen Staatsorchesters ist die Stelle, an der Keilberth zusammenbracht, bis heute markiert. Hier die Noten der ersten Trompete.
In den Stimmen des Bayerischen Staatsorchesters ist die Stelle, an der Keilberth zusammenbracht, bis heute markiert. Hier die Noten der ersten Trompete.
August Everding verlegte den zweiten Akt in seiner Inszenierung von 1980 in ein riesiges Klatschmohnfeld. Die Titelrollen sangen Hildegard Behrens und Spas Wenkhoff. – © Sabine Toepffer
August Everding verlegte den zweiten Akt in seiner Inszenierung von 1980 in ein riesiges Klatschmohnfeld. Die Titelrollen sangen Hildegard Behrens und Spas Wenkhoff. – © Sabine Toepffer
Probenbild mit Waltraud Meier und Kurt Moll aus dem Jahr 1998, als die heute noch gespielte Produktion von Peter Konwitschny Premiere feierte. – © Wilfried Hösl
Probenbild mit Waltraud Meier und Kurt Moll aus dem Jahr 1998, als die heute noch gespielte Produktion von Peter Konwitschny Premiere feierte. – © Wilfried Hösl
Bis heute ist Waltraud Meier die Isolde unserer Tage – im Juli nimmt sie bei zwei Aufführungen der Oper Abschied von dieser Rolle. Hier im Bild mit Robert Dean Smith im Jahr 2013. – © Wilfried Hösl
Bis heute ist Waltraud Meier die Isolde unserer Tage – im Juli nimmt sie bei zwei Aufführungen der Oper Abschied von dieser Rolle. Hier im Bild mit Robert Dean Smith im Jahr 2013. – © Wilfried Hösl

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