Tanzteppich to go

Das Bayerische Staatsballett verteilt Tanzteppich-Zuschnitte an seine Tänzerinnen und Tänzer.

1,60m x 1,60m – das sind gerade die Bretter, die die Welt bedeuten. Das Training, die daily class der Tänzerinnen und Tänzer spielt sich dieser Tage auf ein paar wenigen Quadratmetern ab. Natürlich ist das keine Dauerlösung, aber eine deutliche Verbesserung der aktuellen Bedingungen ist es allemal. Dabei ist die Bezeichnung „Teppich“ eigentlich irreführend. Wir sprechen hier natürlich nicht von flauschigem Flokati, sondern einem ausrollbaren (und damit wie einen Teppich verlegbaren) Bodenbelag aus glattem, aber rutschfestem Material. In unserem Fall besteht er aus PVC, ist 1,2 mm stark und wurde den Tänzerinnen und Tänzern in der Woche vor Ostern in to-go-Größe zurechtgeschnitten.

Unsere Techniker schneiden den Tanzboden zu,
verzieren ihn liebevoll
und fertig ist er zur Abholung.

Das Feedback sei enorm positiv gewesen, „alle sind dankbar, daheim nun anders arbeiten zu können“, sagt Florian Ulrich Sollfrank, Tänzer im Corps de ballet des Bayerischen Staatsballetts und Ballettvorstand. Gemeinsam mit der Ballettdirektion und den Kollegen der Technik hat er die Aktion koordiniert und seinen Kolleginnen und Kollegen mit jedem Stück Tanzteppich eine große Freude bereitet.

Tomoka Kawazoe holt ihre Rolle ab.
Zuhause wird der Tanzteppich verlegt.
Und dann rein in die Spitzenschuhe!

Tanzboden ist für die Tänzerinnen und Tänzer quasi das Büro, das Home Office. Täglich bietet das Bayerische Staatsballett das morgendliche Training über die Videokonferenz-App Zoom an und, so beschreibt es Florian Sollfrank, „finden wir uns als Gruppe zusammen, können einander sehen und die Präsenz der anderen spüren. Der Boden, auf dem wir dabei stehen, ist allerdings ganz real und ein notwendiger Bestandteil unserer Arbeit. Er ist nicht nur Handwerkszeug, sondern hat in dieser schwierigen Situation auch eine emotional-psychologische Wirkung – jeder hat sich sein Stück Theater mit nach Hause genommen.“ Hinzu kommt, dass der Boden den Tänzerinnen und Tänzern dabei hilft, ihr „Home Office“ abzugrenzen. Die sichtbare und spürbare Simulation eines Raums, der die Trennung von Arbeitszeit und Freizeit möglich macht, in den man ein- und wieder aussteigen kann.

Chelsea Thronson in der Arabesque.
Robin Strona trainiert auf der Terasse.
Polina Bualova nimmt ihr Regal als Stange.
Marta Navarretes Hund freut sich mit.

Ohne Tanzteppich trainierten viele Tänzerinnen und Tänzer auf dem was ihre Wohnung zu bieten hatte: rutschiges Parkett, das verkratzen kann, bremsender Teppichboden, harter Fliesenboden oder dellenumwogtes Laminat – alles in allem keine vorteilhaften Bedingungen. Besonders für die Damen und ihre Spitzenschuhe ist das Training mit Tanzteppich absolut notwendig. In den ersten Wochen, so erzählt die Erste Solistin Kristina Lind, habe sie in Socken in ihrer Wohnung trainiert, „aber wenn man nicht den richtigen Halt hat, nicht das richtige Verhältnis zum Boden, dann ist es extrem schwierig, die Balance zu halten und richtig mit den Muskeln zu arbeiten. Um richtig mit Spitzenschuhen arbeiten zu können, ist der Tanzboden enorm wichtig,“ erklärt sie weiter. „Jetzt ist mein Wohnzimmer zum Studio geworden und das Training fühlt sich plötzlich richtig an. Meine Füße sagen mir, dass ich arbeite und ich fühle mich viel sicherer. Das wird uns allen die Rückkehr in den Ballettsaal und die Proben erleichtern,“ so die Erste Solistin.

Tanzteppich to go

Loading the player...

Kommentare

New Comment