Musik und Theater aus Fernost - Teil 2: Süd-Korea

09/09/2017

Klassische Musik europäischer Provenienz hat in Asien einen enorm hohen Stellenwert. Das Wissen um Repertoire und Interpretationsstil ist groß. Auf der Asien-Tournee der Bayerischen Staatsoper haben wir uns auch die musikalische Tradition unserer Gastgeber angesehen. Denn:

Wer bei uns kennt schon die traditionelle Taiwan-Oper? Wer weiß, wie man den koreanischen Pansori-Gesang interpretieren muss? Wer hat schon einmal eine viele Stunden dauernde Aufführung des japanischen Kabuki-Theaters besucht?

In drei Folgen werden Musik und Theater der drei Länder vorgestellt, diesmal widmen wir uns der koreanischen Tradition.

Seidene Saiten und gesungene Epen - Musik aus Korea

Der Gesang einer elegant gekleideten Dame mit Fächer in der Hand, neben der ein Trommelspieler sitzt, und die zarten Töne eines ganz speziellen Zupfinstruments, das sind wohl die typischsten Klänge Koreas.

Geschichtsbüchern zufolge soll es in diesem Land schon vor 3000 Jahren exakt festgelegte Musikstücke gegeben haben. Das berühmteste koreanische Instrument ist zwar noch nicht ganz so alt, reicht aber immerhin auch bis ins 6. nachchristliche Jahrhundert zurück: die Gayageum, eine zwölfsaitige Zither. Man spielt sie meist auf dem Boden sitzend, das Instrument auf dem Schoß. Wohl kein anderes Instrument repräsentiert die klassische koreanische Musik so sehr wie dieses. Ein Instrument, das mit seinem feinen Ton einst vor allem in der höfischen Musik zum Einsatz kam.

Eine Musikern spielt eine Gayageum

Diese traditionelle Musik des Hofes, genannt Jeongak, steht mit ihren langsamen, kontemplativen und weichen Klängen ganz im Gegensatz zur lebhaften, volkstümlichen Folklore, die Minsogak heißt. Die beiden Musikstile unterscheiden sich auch in ihrer Philosophie: in der Volksmusik passt sich der Takt dem Herzschlag an, wodurch es schneller wird, während er beim höfischen Jeongak dem Atem folgt, was den ruhigen, meditativen Charakter verstärkt. Ein besonders sanfter Klang ergibt sich in der klassischen Musik auch dadurch, dass die Instrumente ausschließlich aus nichtmetallischen Materialien gefertigt sind. Die Saiten sind aus Seide, und fast alle Blasinstrumente bestehen aus Bambus.

Pansori performance im Busan Cultural Center in Busan South Korea

In der Volksmusik wiederum dominieren die Schlaginstrumente: der kleine und der große Gong, die Sanduhrtrommel Janggu und die Fasstrommel Buk. Im Glauben der Landbevölkerung symbolisieren diese vier Instrumente die vier Wetterelemente Blitz, Wind, Regen und Wolken; ihr Klang könne die Natur günstig stimmen.

Typisch koreanisch sind vor allem die Darbietungen der Pansori-Sänger. Sie treten auf fast allen Kulturfestivals des Landes auf, und in Seoul hat diese Musik, die mittlerweile von der UNESCO in die Liste des immateriellen Weltkulturerbes aufgenommen wurde sogar ein festes Haus. Eine spezielle Bühne braucht es nicht, nur eine Strohmatte, auf der sich ein Sänger oder noch häufiger eine Sängerin positioniert und ein Trommelspieler Platz nimmt. In einer Mischung aus Gesang und Rezitation werden balladenartige, seit Jahrhunderten überlieferte epische Texte vorgetragen, meist Geschichten aus dem Alltag. Ein Theater des Erzählens, so könnte man den Pansori-Gesang nennen, da die Sängerin oder der Sänger nicht in die Figuren hineinschlüpfen und auch nichts vorspielen, da sie aber dennoch die Emotionen der Geschichte durch Gesten, durch Bewegungen mit einem Fächer und vor allem durch die Ausdruckskraft der Stimme erlebbar machen.

Ursprünglich waren es Wanderkünstler, die auf den Plätzen der koreanischen Dörfer und Städte die Leute unterhielten, mittlerweile ist der Pansori-Gesang jedoch eine raffinierte Kunstform. Von Generation zu Generation, von Lehrer zu Schüler werden die alten Texte und die Kunst des Vortrags weitergegeben. Dieser Gesang gehört heute ebenso zum kulturellen Leben Koreas, wie die eleganten Klänge des Gayageum. Folklore und höfische Kunst, die zwei Fassetten der koreanischen Musik.

Heurich, Florian

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