Lassen wir die Puppe sprechen

07/13/2017

Die Aufregung bei Menschen und Puppen steigt: Am 21. Juli feiert unsere zweite Festspiel-Neuproduktion Oberon, König der Elfen im Prinzregententheater Premiere. Die romantische Oper von 1826 setzt der österreichische Puppenspieler und -bauer Nikolaus Habjan in Szene. Wir konnten exklusiv mit Prinz Babekan sprechen, der in Carl Maria von Webers Werk an der Bayerischen Staatsoper debütiert. 

Prinz Babekan, wie sind Sie entstanden?
Ich bin eine echte Habjan-Puppe, muss ich erst einmal sagen, das hier ist kein Fan-Selfie. Sympathisch, der Typ, und noch nicht mal 30 Jahre alt. Aber von Anfang an: Zu Beginn war ich, gelinde gesagt, etwas unförmig – ein Tonklumpen. Daraus wurde dann mein Gesicht modelliert. Etwas freundlicher hätte es schon werden können, aber was will man machen? Wenigstens macht bei so einer expressiven Mimik jeder das, was ich sage. Außer der Regisseur selbst natürlich …

Gerade Näschen finden Frauen übrigens deutlich schöner als meinen Riesenzinken ...
... Da warte ich noch auf eine Entschuldigung, Herr Habjan!

Von dem Ton nimmt der Herr Puppenbauer dann einen Negativabdruck aus Silikon. Hier sieht man übrigens eine Kollegin von mir, die Puppe von Annette Dasch. Die hatte mehr Glück als ich – ein Gesicht, so glatt wie ein Babypopo …

Anschließend wird eine Positivform gegossen, aus Polyurethan habe ich mir sagen lassen. Ich kann nur hoffen, dass das keine gesundheitlichen Spätfolgen hat. Ich bin ein Fliegengewicht, falls jemanden meine Boxklasse interessiert. Mein Macher meint, sonst bekäme er beim Puppenspielen einen Krampf im Arm – unsportlich kann ich da nur sagen.

Ich kam, sah und siegte. Und endlich hatte ich dafür auch das nötige Augenlicht. Und nein, ich habe an dem Tag nicht etwas zu tief ins Glas geschaut, der Silberblick stammt von den Kunstkristallen. Ein emotionaler Moment, mit dem Schöpfer zum ersten Mal einen Blick zu tauschen – auch für Herrn Habjan selbst. „So, da ist er“, hat er stolz gesagt.

Dann kommt das Finetuning, wir Köpfe werden bemalt. Herr Habjan grundiert erst und hebt dann einige Stellen mit hellerer Farbe hervor – leider auch meine Nase, das wirkt schon sehr unvorteilhaft. Manche bekommen dann noch Haare und echte Augenbrauen. Raten Sie mal, wer nicht.

Ich habe einen Dickschädel, sagt der Herr Regisseur – und findet das gut so. Sonst müsste der Puppenführer zu vorsichtig und zurückhaltend beim Spielen sein, wenn er Angst haben muss, dass ich beim Herunterfallen gleich zerbreche. Wie es mir dabei geht, fragt mal wieder keiner. Die Kostüme und die Hände macht Herr Habjan übrigens nicht selbst. Dafür hat man als zweifacher Nestroy-Preisträger wohl keine Zeit mehr. Aber ich will nicht klagen – Heike Mierbach und Denise Heschl haben hier wunderbare Arbeit geleistet. Erst war ich mit dem Turban ja nicht ganz d’accord, aber in der Sommerhitze ist der wohl noch ganz nützlich. Mehr als zwei Wochen hat meine Schöpfung gedauert.

Ich bin, wie ich ja schon sagte, nicht irgendwer, sondern eine Puppe der Habjan-Kollektion. Das heißt, ich bin vom Klappmaul-Design. Ich bin also, wie ich verschämt sagen muss, vollständig hohl. Der Spieler kann so seine Hand hineinstecken und meinen Mund mit seiner Hand bewegen. Als letzter Arbeitsschritt kommen die Puppenspieler ins Atelier und wir Köpfe werden im Inneren in der Größe genau angepasst, damit später viele Bewegungswinkel möglich sind. Also wenn ich das so geradeheraus ausspreche, ist mir diese Fremdbestimmung wirklich etwas peinlich. Aber wenn es der großen Sache dienlich ist… Für das Medium Oper, also für den Gesang, ist diese Form nämlich bestens geeignet, mein Herr Habjan. Wir verpassen unseren sekundengenauen Einsatz nicht und sind viel agiler als unsere Konkurrenten, die Marionetten. Die sind ja auch immer so distanziert und langsam.

Können Sie uns etwas über Ihre Rolle in Oberon erzählen?

Aha, da haben Sie wohl selbst nicht recherchiert. Aber gut, ich will mal nicht so sein. Carl Maria von Webers Werk ist eigentlich eine “romantische Feenoper”. Und nun schauen Sie mich an. Kitsch wird es also nicht geben, im Gegenteil. Zur Handlung: Oberon und Titania haben einen Ehekrach und Titania fordert einen Beweis, dass es so etwas wie Liebe überhaupt gibt. Die beiden starten einen Menschenversuch – ein Paar soll in Konflikt-Situationen zeigen, wie wahrhaftig ihre Gefühle füreinander tatsächlich sind. Zuerst sind die Pucks auf der Bühne, unsere Puppenführer. Und hier kommen wir ins Spiel – aus uns wird die Illusionswelt geschaffen, die Rezia und Hüon, das Liebespaar, auf die die Probe stellt.

Wie läuft die Probenphase?

Ich kann nicht klagen. Herr Habjan ist sehr demokratisch. Er spricht mit den Spielern darüber, was für Figuren wir Puppen sind, welche Beziehungen wir untereinander haben und welche Hintergrundgeschichte. Wie eine klassische Arbeit zwischen Regisseur und Schauspieler, nur ist da eben noch die Puppe als dritte im Bunde, so hat er es mir einmal bei einem Gespräch unter vier Augen erläutert. Erst im Laufe der Proben kommt jede Puppe zu ihrer speziellen Sprechstimme – dezent oder laut, hoch oder tief, Akzent oder nicht? Wie Sie ja hören können, merkt man mir meinen Intellekt und mein Durchsetzungsvermögen bereits stimmlich an.

Und nach Oberon? Wie geht es da für Sie weiter?
Erneut ist es ein Vorteil, aus der Hand von Habjan zu stammen. Der legt vertraglich fest, dass wir Puppen nicht im Fundus vor uns hin vegetieren müssen, sobald ein Stück abgespielt ist. Das wäre für ihn das Allerschlimmste, sagt er, das Herz würde ihm bluten. Entschuldigen Sie, das macht mich ganz sentimental. Stellen Sie sich nur vor, man würde mich als Probenrequisit für einen abwesenden Sänger missbrauchen, ohne tatsächlich Puppenspielen zu können. Herr Habjan baut seine Puppen meist nicht nach Rolle – obwohl die Oberon-Gruppe nun vollständig neu, also quasi aus einem Guss ist. Ich bin ein wertvolles Instrument. Und auf einem solchen kann man eben sowohl Stücke von Vivaldi spielen als auch von Bach und Schreker. Also wer weiß, was die Zukunft für mich noch bereithält. Ich erwarte Großes.

Jennifer Gaschler

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Kommentare

  • Am 31.07.2017 um 16:31 Uhr schrieb Wulfhilt Müller

    Oberon - Aufführung am 30.07.2017

    Dies war der langweiligste opernabend, den ich je erlebt habe (und ich habe mehrer tausend Opernaufführungen gesehen).
    1. Die Übertitel waren nicht lesbar, da viel zu klein und zu dunkel. ich konnte hinten ind der Loge nicht einen Buchstaben erkennen
    2. Die Dialoge ware alle nahezu unverständlich.
    3. Die Inszenierung war so blöd, dass man auch anhand dieser der Handlung nicht folgen konnte und nicht vrstaändliche Dialoge und nicht lesbare Übertitel verstärkten diese Tatsache noch.
    Es lohnte sich also gar nicht, auf die Bühne zu sehen - als Konzert war die Musik aber ziemlich langweilig und oft nur "plätschernd".
    Kurz und gut: Die Karte für diesen Abend war "rausgeschmissenes Geld".

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