Themenkonzerte: Werkschau von Ernst Krenek

„The one-man history of twentieth-century music“ (Glenn Gould über Ernst Krenek)

Dieses Jahr sind die Themenkonzerte insbesondere dem Schaffen Ernst Kreneks gewidmet. Als Vorbote auf die große Oper Karl V. haben sich unsere Musiker auf seine Kammermusikwerke gestürzt. Kreneks Werk umfasst fast das gesamte 20. Jahrhundert und reicht vom Spätromantischen über Zwölftonmusik und Serialismus bis hin zu elektronischer Musik. Doch wer war eigentlich dieser Krenek und was zeichnet seine Kammermusikwerke aus?

© Ernst Krenek Institut Privatstiftung

Ernst Krenek

Das Leben Ernst Kreneks umspannte beinahe das gesamte 20. Jahrhundert. Er wurde 1900 in Wien geboren und komponierte bereits als Kind seine ersten Stücke. Mit 16 Jahren begann er ein Kompositionsstudium bei Franz Schreker, dem er vier Jahre später nach Berlin folgte. Seine frühesten Werke sind in freier, sehr individueller Atonalität geschrieben. Unter dem Einfluss Igor Strawinskys und des französischen Neoklassizismus veränderte sich Kreneks Kompositionsstil hin zum Eingängigeren und Unterhaltsameren. In dieser Zeit entstand auch sein größter Publikumserfolg, die Oper Jonny spielt auf. Zurück in Wien begann er sich 1928 mit der Zwölftontechnik Arnold Schönbergs auseinanderzusetzen. Diese sollte in den folgenden Jahren sein Schaffen maßgeblich bestimmen und erreichte ihren Höhepunkt mit der Oper Karl V.. Spätestens seit Jonny spielt auf war Krenek für die Nationalsozialisten ein „Kulturbolschewist“, und nach ihrer Machtübernahme 1933 wurden seine Werke im Deutschen Reich als „entartet“ eingestuft und verboten. So wurde die geplante Uraufführung von Karl V. in Wien im Jahr 1934 aus politischen Gründen verhindert, und die Oper konnte erst 1938 in Prag uraufgeführt werden. Im selben Jahr emigrierte Krenek in die USA. Dort wurde er zu einem einflussreichen Kompositionslehrer. Zudem war er erfolgreich als Publizist, Musiktheoretiker und Buchautor tätig. Er schrieb unter anderem Opernlibretti und Beiträge für Tageszeitungen und musikalische Fachzeitschriften. 1991 verstarb er in Palms Springs (Kalifornien, USA). Insgesamt entstammen rund 250 Werke seiner Feder, darunter 19 Opern sowie zahlreiche Werke für Kammermusik. Er komponierte für alle musikalischen Gattungen.
Kreneks Kammermusikwerke reflektieren die stilistischen Wandlungen seines Jahrhunderts. Der Komponist versuchte, selbst im Kleinsten und Nonverbalen eine Geschichte zu erzählen, er arbeitete dabei nicht abstrakt mathematisch, sondern schrieb Musik, die gespielt und gehört werden sollte. Seine Werke zeigen spätromantische Klänge ebenso wie freitonale und zwölftönige Musik. Alle seine Werke sind jedoch von einer starken inneren Spannung und Expressivität geprägt. Krenek arbeitete häufig mit einer Idee beziehungsweise einem Motiv, das er dann unterschiedlich variierte.

Die Themenkonzerte

Bei den diesjährigen Themenkonzerten werden Kreneks Stücke durch Werke seiner Weggefährten und Zeitgenossen ergänzt: unter anderem Arnold Schönberg, Anton v. Webern, Franz Schreker oder Kurt Weill. Die Zusammensetzung der Programme finden sich so in keinem gewöhnlichen Kammerkonzert – und auch die Orte sind außergewöhnlich. Wir sind dieses Jahr unter anderem in der Alten Pinakothek, dem Justizpalast sowie dem NS-Dokumentationszentrum München zu Gast.

Das Programm des ersten Themenkonzerts setzt sich aus Musik der Moderne und Zeitgenossen Kreneks zusammen. Alle Komponisten des Abends wurden durch die politischen Extreme des 20. Jahrhunderts stark geprägt. Ernst Krenek emigrierte aufgrund des Nationalsozialismus in die USA,  Anton von Webern wählte den Weg ins innere Exil und fiel den Nachkriegswirren zum Opfer. Friedrich Cerha versuchte dem Zweiten Weltkrieg zu entkommen, indem er Widerstand leistete. Der Koreaner Isang Yun lebte im deutschen Exil. Die koreanischen Geheimdienste hatten ihn zum Spielball gemacht.

Kreneks Wiener Vergangenheit (Schubert und Schreker) sowie französische Einflüsse mit ihrer Modernität und Spielfreude werden im zweiten Themenkonzert aufgegriffen. Sowohl Franz Schubert als auch Franz Schreker beeinflussten Kreneks Schaffen stark. Krenek bewunderte Schubert und beschäftigte sich intensiv mit seinem Schaffen.

Erwin Schulhoff und Bohuslav Martinů ließen sich von der Leichtigkeit und Ironie französischer Musik zu Beginn der 1920er Jahre inspirieren. Beim 3. Themenkonzert heißt es: Streichtrio pur in atemberaubender Kulisse – und im Rahmen des 4. Themenkonzerts rücken Kreneks Wiener Geistesverwandte und das Exil in den Fokus.  Im Zusammenhang mit Ernst Krenek darf der Name Arnold Schönberg nicht fehlen. Die von ihm entwickelte Zwölftontechnik inspirierte Krenek bis ans Ende seines Lebens. An diesem Abend hört ihr von ihm Ode to Napoleon Buonaparte.

Das 5. Themenkonzert präsentiert Musik um Macht und Geld aus Königshäusern und Kathedralen bis hin zur Dreigroschenoper. Mit dem Thema Macht beschäftigte sich Krenek häufiger – so auch in seiner Oper Karl V. In diesem Themenkonzert spielen OperaBrass unter anderem ein Arrangement unseres Korrepetitors Ched Kelly, das Tänze aus Jonny spielt auf aufgreift – sozusagen eine Erstaufführung.

Umrahmt werden die Konzerte von Vorträge aus der Grundlagenforschung, die zum Teil korrespondierend, zum Teil aber auch kontrastierend zu den Konzertprogrammen stehen. Inhaltlich beziehen sich die Vorträge, die in Kooperation mit der Max-Planck-Gesellschaft stattfinden, auf das Thema dieser Spielzeit: ALLES WAS RECHT IST.

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