Auf einen Glühwein mit Dean Power

12/15/2017

Am 15. Januar gestaltet Ensemble-Mitglied Dean Power einen Liederabend mit der Pianistin Sophie Raynaud. Trotz Weihnachtsstress und anstehender Premiere hat sich der Tenor nach der Generalprobe von Il trittico noch mit uns auf einen Glühwein getroffen und uns etwas zu seinem Programm, seiner Heimat und seinem schlimmsten Weihnachtsgeschenk erzählt.

Dean Power, Ensemble-Mitglied an der Bayerischen Staatsoper
Dean Power, Ensemble-Mitglied an der Bayerischen Staatsoper (© Andrej Stoychev)

Welches Programm hast Du Dir für deinen Liederabend ausgesucht und warum?

Ich singe zuerst die Kindertotenlieder von Gustav Mahler, dann von Samuel Barber die Mélodies Passagères und am Ende Vaughan Williams' Songs of Travel. Ich liebe die Musik von Mahler. Am Anfang, als ich zu klassischer Musik kam, mochte ich seine Musik nicht so sehr. Ich fand sie übertrieben, schwer und man muss wirklich Geduld damit haben. Aber jetzt bin ich ja älter geworden und habe auch ein bisschen mehr Geduld. Mittlerweile liebe ich seine Musik. Die Kindertotenlieder sind so berührend, sie sind …(überlegt) nicht atemberaubend, aber irgendwie personenraubend. Sie nehmen dich ganz ein. Und obwohl es eigentlich ein Orchesterstück ist und üblicherweise von Mezzosopran oder Bariton gesungen wird, dachte ich mir: Ich will das machen.

Französisch und ich gehen eigentlich nicht so gut zusammen. Aber als mir Sophie Raynaud für den Liederabend zugesagt hat, dachte ich: Jetzt habe die Möglichkeit für eine tolle Interpretation von französischen Liedern. Sie hat mir dann einige Stücke gezeigt und die Mélodies Passagères haben mich direkt getroffen.

Die letzte Nummer Songs of Travel habe ich gewählt, weil ich ja auch etwas Englisches singen musste, ich komme ja schließlich aus Irland. Und ich habe lange überlegt, es gibt so viele schöne Lieder. Aber am Ende wollte ich so eine Art Winterreise auf Englisch machen.

Wie hast Du das Singen / Oper für Dich entdeckt?

Wie viel Zeit hast du? (lacht) Ok, im Schnelldurchlauf. Mein Vater singt gerne, aber als er sehr jung war, hat er in der Schule einmal gesungen und seine Kameraden haben ihn ausgelacht. Danach hat er für 30 Jahre nicht mehr gesungen. Als ich ein Kind war, hat er mir diese Geschichte erzählt. Ich liebte singen und er hat mich darin bestärkt. Und dann hatte ich Glück, dass mein erster Gesangslehrer ein totaler Klassik- und Opernfan war. Er hat mir diese Musik dann nahe gebracht. Ich komme in Irland aus einer Gegend wo von 40.000 Leuten vielleicht 20 den Namen von Jonas Kaufmann kennen. Ich hatte also wirklich Glück.

Was vermisst Du am meisten aus Deiner Heimat?

Ein Wort: Familie. Es gibt viele kleine Dinge, die ich vielleicht vermisse, aber dafür gibt es in Deutschland fast immer einen passenden Ersatz. Ich lebe mit meiner kleinen Familie, meiner Frau und meinem kleinen Sohn hier und wir sind sehr glücklich. Aber Familie, und damit meine ich auch gute Freunde, ist nicht ersetzbar.

Was machst Du in deiner Freizeit, wenn Du gerade nicht singen musst, um abzuschalten?

Welche Freizeit? (lacht) Ich habe jetzt einen Sohn, Oskar, seitdem habe ich keine Freizeit mehr. Ich spiele mit dem Orchester ab und zu Fußball, aber ich habe die ersten drei Trainings schon wieder verpasst. Aber ich mache sehr gerne Sport. Vor Oskar habe ich Hurling gespielt.

Was ist das?

Das ist die beste Sportart der Welt und das sage ich nicht nur, weil ich Ire bin und es ein irischer Sport ist. Es ist eine wahnsinnig alte Sportart, man spielt 15 gegen 15, alle haben einen Stock und einen Ball.

Wie Hockey?

Nein, wir dürfen den Ball auch fangen und mit dem Stock wegschlagen. Das muss man sich mal auf Youtube ansehen.

Wenn Du nicht klassische Musik hörst, was hörst Du dann gerne?

Das hängt auch von Oskar ab. Er tanzt so gerne, dass ich immer etwas abspielen muss, wozu er gerne tanzt. Wobei er fast zu allem tanzt, was rhythmisch ist: Strawinsky, Britney Spears, Kindermusik, Rossini, alles! Und dann tanzen wir zusammen.

Welche Opernfigur hast Du bisher am liebsten gesungen und warum?

Da muss ich lange überlegen. Eigentlich habe ich keine. Ich liebe die Abwechslung. Ich komme ja gerade von der Generalprobe von Il trittico. Und obwohl es da für mich kaum etwas solo zu singen gibt, sondern viel im Ensemble, macht es mir so viel Spaß. Das ist auch etwas sehr besonderes. Eigentlich ist das schönste für mich, wenn ich jeden Tag etwas anderes singe.

Aber was ich noch gerne singen würde, ist Tamino. Da bin ich jetzt bereit dafür,  weil ich die letzten Jahre sicherer in der Sprache und auf der Bühne geworden bin.

Wie feierst Du Weihnachten? Gibt es irgendwelche Traditionen, die Ihr pflegt?

Es gibt einen Kuchen, der heißt bei uns einfach Christmas Cake. Den bäckt man bereits im September und dann sticht man Löcher hinein und gießt immer wieder Alkohol hinein, zum Beispiel Brandy, und dann isst man ihn. Das kann man so über 16 Wochen machen, aber meist dauert es nicht so lange, bis er aufgegessen ist. Sehr lecker. Sehr ungesund.

Und ich kann mich an mein schönstes Weihnachten erinnern. Als ich 14 war, gab es in Irland einen großen Sturm und Stromausfall. Und nur Familien mit Gasherd konnten kochen. Also mussten wir zu Verwandten gehen und warten, bis sie ihr Essen gemacht hatten. Aber es war so stimmungsvoll, nur mit Kerzenlicht, kein Fernseher, kein Radio. Nur wir und ein Feuer. Und dann hat jemand die Gitarre ausgepackt und Musik gemacht und wir haben gesungen und Geschichten erzählt. Als die Lichter dann angingen, haben wir alle gedacht: Oh, schade.

Was war bisher Dein schönstes und Dein schlimmstes Weihnachtsgeschenk?

Mein schönstes Geschenk war ohne Frage ein Snooker-Tisch. Ich war ungefähr 10 Jahre alt und als ich an Weihnachten aufgewacht bin und nach Geschenken gesucht habe, waren keine da. Meine Eltern hatten am Abend zuvor vielleicht etwas mehr getrunken und völlig vergessen die Geschenke unter den Baum zu legen. Sie haben mir dann gesagt, ich soll noch mal ins Zimmer gehen, Santa käme noch, um meine Geschenke zu bringen. Im Zimmer wartend habe ich dann gehört, wie meine Eltern draußen versucht haben, völlig verkatert, diesen Snooker-Tisch die Treppe raufzutragen. „Au, mein Finger!“ Aber als ich dann rauskam, habe ich mich total gefreut.

Und das schlimmste Geschenk war, als ich von vier verschiedenen Leuten Parfumflaschen bekommen habe. Das sagt schon was!

Worauf dürfen sich die Besucher Deines Liederabends freuen?

Ich hoffe, dass die Besucher ganz ohne Erwartungen kommen und sich einfach überraschen lassen – dann wird ein Erlebnis eigentlich immer am schönsten.

Ensemble-Liederabend mit Dean Power
Mo, 15. Januar 2018, 19.30 Uhr
Wernicke-Saal
Karten

Dittrich, Saskia

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