Auf den Spuren einer Festspiel-Bestellung

Das Warten hat ein Ende. Heute wurden die letzten Bestellungen für die Münchner Opernfestspiele 2018 aus dem schriftlichen Vorverkauf bearbeitet. In den letzten fünf Wochen haben die Kolleginnen und Kollegen des Zentralen Kartenverkaufs sieben Tage die Woche, neben dem normalen Tagesgeschäft, insgesamt über 37.000 Kartenbestellungen bearbeitet – deutlich mehr als im letzten Jahr, und doch waren sie mehr als zwei Wochen früher fertig. Die Bestellungen erreichten die Festspielkasse per Onlineformular, E-Mail und Brief aus über 30 Ländern. Karten für die Festspiele gibt es eigentlich viele, denn es stehen insgesamt über 65 Veranstaltungen auf dem Programm. Da sollte man meinen, es sei für jeden etwas dabei. Doch die Anzahl an Bestellungen lässt bereits ahnen, dass nicht alle Kartenwünsche erfüllt werden konnten und einige Bewerber leider leer ausgehen werden. Wie funktioniert nun dieser Auswahlprozess genau? Und was hat ein digitaler oder „physischer“ Bestellschein in den letzten Wochen und Monaten genau erlebt? Dazu begeben wir uns auf die imaginäre Reise einer Festspielbestellung.

Gefühlte Millionen Kartenwünsche landeten auf dem Tisch des Zentralen Kartenverkaufs
Gefühlte Millionen Kartenwünsche landeten auf dem Tisch des Zentralen Kartenverkaufs

Anfang Dezember 2017: Ich, stolzer Bestellschein, treffe mit der druckfrischen Festspielbroschüre bei meiner Bestellerin zuhause, in einem Vorort von München, ein. Aber ich bleibe erstmal auf dem Nachtkästchen liegen – in der Adventszeit ist einfach zu viel los.

30. Dezember 2017: Nach dem ganzen Weihnachtsstress findet meine Empfängerin endlich die Zeit, sich die Festspielbroschüre genauer anzusehen. Sie ist eine vielseitig interessierte Besucherin und sucht sich deshalb Klassiker, aber auch eine Festspiel-Werkstatt-Veranstaltung aus: Der Ring des Nibelungen, Parsifal, Tosca, den Liederabend von Piotr Beczala und die Uraufführung von Die Vorübergehenden. Sie bestellt grundsätzlich immer zwei Tickets – für Parsifal sogar für alle Vorstellungen jeweils in Kategorie 3 und 4; denn je mehr Alternativen angegeben werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, Karten zu erhalten. Nachdem alle Daten eingetragen sind, werde ich in einen Umschlag gegeben und verschickt.

4. Januar 2018: Nach ein paar Tagen mit der Post treffe ich endlich in der Festspielkasse ein. Ich werde geöffnet und auf einen Stapel mit sehr vielen anderen Bestellscheinen gelegt. Alle plappern wild durcheinander, einige haben eine weite Reise hinter sich. Mein Nachbar kommt sogar aus Brasilien!

Die Bestellungen stapeln sich
Die Bestellungen stapeln sich

8. Januar 2018: Heute bin ich endlich dran! Eine Mitarbeiterin fängt an, mich zu lesen und die Daten in ein System zu übertragen. Ich schaue mich um und sehe, dass mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fleißig die Bestellungen von den Scheinen in ihr System übertragen – da ist höchste Konzentration gefragt. Ich frage mich, wie viele Bestellscheine außer mir noch hier ankommen. (Anm. d. Red.: Es sind insgesamt über 10.000 Stück.) Hinzu kommen noch Wünsche per E-Mail und über das Onlineformular. Ab jetzt geht mein Leben digital weiter – und es heißt nun Warten bis zum Bearbeitungsbeginn.

1. Februar 2018: Die Frist ist beendet – alle Kartenwünsche, die es bis jetzt in die Festspielkasse geschafft haben, werden gleichrangig behandelt. Eine Veranstaltung nach der anderen wird bearbeitet – aber noch bin ich nicht dran. Alle Bestellungen sind digitalisiert und nach Datum sortiert, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fangen an, wie aus einem Lostopf verschiedene Bestellungen „herauszuziehen“ und diese zu bearbeiten. Wer zuerst gezogen wird, hat Glück und erhält die besten Karten.

Leider gehöre ich nicht zu den Glücklichen, die zuerst gezogen werden und muss mich noch ein wenig gedulden. Nach zwei Wochen ist es endlich so weit: Beim Liederabend Piotr Beczala liegen neben meiner Bestellung nur wenige weitere Bestellungen für die Kategorie 4 vor, sodass ich bearbeitet werden kann. Auch bei Die Vorübergehenden sind noch vier Plätze verfügbar. Für Tosca und den Ring-Zyklus gibt es neben mir noch knapp 4.000 weitere Bestellungen. Für Parsifal wurden sogar weit über 10.000 Bestellungen abgegeben. Es ist also unmöglich, dass alle Wünsche erfüllt werden können. Ich sehe meine Chancen die Festspielpremiere betreffend bereits schwinden. Meine Absenderin wird so enttäuscht sein! Bis ich an der Reihe bin, sind leider keine zwei zusammenhängenden Plätze in den Kategorien 3 und 4 mehr vorhanden – für keine einzige Parsifal-Vorstellung – schade! Bei Tosca hatte ich mehr Glück, sodass noch zwei Plätze verfügbar waren. Es sind zwar Randplätze – aber immerhin. 

1. März 2018: Heute bekommt meine Bestellerin Bescheid – und wird hoffentlich zufrieden sein! Einige andere Bestellungen, die ich auf dem Weg getroffen habe, warten immer noch darauf, gezogen zu werden, die Festspielkasse arbeitet jedoch auf Hochtouren und ich bin mir sicher, dass auch die anderen Bestellungen bald bearbeitet sind.

7. März 2018: Heute herrscht schlechte Stimmung unter den Bestellungen, da die Absagen versendet werden und leider zahlreiche Bestellerinnen und Besteller enttäuscht werden. Doch für alle die leer ausgingen, gibt es einen Trost: Am 8. Juli wird die Vorstellung von Parsifal live auf den Max-Joseph-Platz und in Euer Wohnzimmer gestreamt. Außerdem gibt es für einige der nicht komplett ausverkauften Vorstellungen noch Restkarten – eine Übersicht über alle noch verfügbaren Karten finden Ihr hier. Und als kleiner Tipp: Ein Blick in die Kartenbörse im Forum (forum.staatsoper.de) lohnt sich auch meistens. 

Kommentare

New Comment