Feste feiern oder feste feiern…

BallettBallettfestwochenApplaus

Ich habe mich mal schlau gemacht: Laut Definition heben sich „Feste durch besondere Bräuche, die auch hohe Emotionalität, also Freude, Begeisterung, Anteilnahme, bis hin zur Ekstase erlauben können, aus dem Alltag heraus“.
Und tatsächlich kann man das im Theater beobachten: Etwas ist anders. Die Besucher sind es, die Vorstellungen auch. An den Abenden gibt es häufiger Zwischenapplaus und am Ende noch mehr Vorhänge. Da fliegen auch mal Blumensträuße auf die Bühne, wenn die Erste Solistin oder der Erste Tänzer gerade die Bühne betreten. Ekstase im Publikum! Dabei kommen zu den Festivals häufig Zuschauer ins Ballett, die nie zuvor dagewesen sind. Man nimmt selbst auch gern mal so einen Neuling mit, der noch nie eine Aufführung gesehen hat. Man möchte ihm etwas Besonderes bieten – vereint ein Festival, eine Festwoche doch die Höhepunkte der Spielzeit.

Kürzlich kam ein Bekannter mit zu einer Galavorstellung. „Ach“, raunte er mir in der Mitte der Vorstellung zu, „man klatscht also immer dann, wenn die Männer im Kreis springen?“ Ich musste lachen. Ein schöner Ausdruck für eine Serie von Grands Jetés der Männer. Ganz so einfach ist es ja nun auch nicht. Oder doch? In der Folge achtete ich darauf, und da fiel es mir auf: Tatsächlich beginnt sofort der Zwischenapplaus, wenn die Männer während ihrer Variation eine Reihe von Grands Jetés springen. Oft fängt der Beifall schon an, wenn gerade einmal das erste Jeté der Manege vollendet ist.

Der Kenner weiß eben, was kommt – nämlich eine Serie dieser herausragenden Sprünge im Spagat, und vom Ersten Solisten getanzt, kann man schon nach dem ersten davon ausgehen, dass es eine atemberaubende Sprungfolge wird. Gleiches gilt für die foueté-Drehungen der Damen. Als säße der Ballettfan nur auf der Stuhlkante, bereit aufzuspringen und loszujubeln, sobald zur Drehung angesetzt wird.

Also sind es doch die Stammbesucher, die den Festvorstellungen diese erwartungsfrohe Atmosphäre verleihen. Und der Erstbesucher stimmt eifrig in den Beifall ein, zufrieden, dass er das Prinzip der Vorstellung verstanden hat. Ich selbst bevorzuge ja eigentlich die leisen Töne, die kleinen feinen Gesten während einer Aufführung, die Huldigung von Kunststückchen liegt mir eher nicht, behaupte ich immer. Und doch … es reißt einen mit. Begeisterung ist etwas Schönes. Einmal im Jahr wird richtig gefeiert! Ich ertappte mich, wie ich plötzlich lauthals „Bravo“ schreie und mit den Füßen stampfe. Mein Bekannter ist dieses Jahr auch wieder dabei, er freut sich schon auf seinen “Einsatz“ bei der BallettFestwoche. Aber gejubelt wird erst, und das habe ich ihm eingeschärft, wenn eine Variation erfolgreich beendet ist!

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