Der Operator ist wieder da!

BierOpernfestspieleFotogalerie

Freitag, 16.30 Uhr: Nur selten schaffen wir den Start ins Wochenende so frühzeitig – zumal während der Opernfestspiele. Eine fünfköpfige Gruppe von Opernmitarbeitern macht sich auf den Weg zur Schlossbrauerei Odelzhausen. Kaum haben wir München Richtung Augsburg verlassen, sind wir auch schon beim Schlossgut Odelzhausen, idyllisch auf einer Anhöhe gelegen. Hausherr Hans Eser begrüßt uns sogleich mit einem „Pfiff“ Naturtrübem (Prost!) und gibt uns einen Einblick in die Geschichte seines Familienunternehmens.

Wer sich nun fragt, warum wir Opernmitarbeiter ausgerechnet an einer Brauereibesichtigung teilnehmen, dem sei versichert, dass es hierfür durchaus gute Gründe gibt: Seit Beginn der diesjährigen Festspiele können die Besucher des Nationaltheaters zum ersten Mal seit fast 40 Jahren wieder unser eigenes Starkbier, den Operator, in der Theatergastronomie kaufen. Der Operator wurde als Festtrunk extra für die Wiedereröffnung des Nationaltheaters am 23. November 1963 hergestellt. Die Familie Eser in Odelzhausen braute damals und braut noch heute den Operator – und damit ist die Bayerische Staatsoper das weltweit einzige Opernhaus, das ein eigenes Bier hat! Der würzige Doppelbock ist bei uns übrigens die ganze Spielzeit im Programm – auch außerhalb der traditionellen Starkbierzeit.

Ein Schluck Bier auf nüchternen Magen zum Einstieg lockert die Zunge und so hatten wir etliche Fragen, von denen Hans Eser keine unbeantwortet hinterließ: Was ist der Unterschied zwischen ober- und untergärigem Bier? Wie viel Hopfen enthält Bier? Wie lange dauert der Brauprozess? Zwischenzeitlich sind wir acht Meter in die Tiefen des Gewölbekellers hinabgestiegen – vorbei an der Fotogalerie, an der unter anderem der Starkbieranstich durch Wolfgang Sawallisch verewigt ist. Hier erfahren wir nun mehr über die Kunst des Bierbrauens. Gebraut wird in Odelzhausen selbstverständlich nach dem Reinheitsgebot: Wasser, Hopfen und Malz gehören dazu. Was genau mit diesen drei Zutaten passiert, erklärt uns Hans Eser en détail. Der wichtigste Brauprozess findet in den großen Kupferkesseln in den kühlen Gewölben unter der Erde statt.

Nach oben ins Bräustüberl zurückgekehrt, gibt’s zum Abschluss eine Brotzeitplatte, selbstgebackenes Brot und eine hauseigene Dessert-Kreation, den kalten Operator-Schaum. Hans Eser und seine Frau Gabi bringen uns bei, wie man einen Radi kunstgerecht zur Ziehharmonika schneidet. Und beim Essen erklärt uns Hans die drei bedeutenden Schnittstellen zwischen der Bayerischen Staatsoper und dem Bier: Beim Brand des Nationaltheaters 1823 wurde das Feuer unter anderem mit dem Brauwasser der Münchner Brauereien gelöscht, der Wiederaufbau nach dem Brand wiederum wurde mit dem sogenannten „Bierpfennig“ mitfinanziert und zur Wiedereröffnung nach dem Krieg 1963 wurde der Operator eingeführt. Es besteht also bereits eine lange Verbindung zwischen dem Traditionshaus Bayerische Staatsoper und dem Traditionstrunk der Bayern.

Weit später als geplant fährt die Operntruppe reich an Brauereikenntnissen und ebenso reich an Vitamin B – denn davon enthält Bier eine ganze Menge – zurück Richtung München und startet so in das letzte Wochenende vor den Theaterferien.

Kommentare

  • Am 30.07.2010 um 23:44 Uhr schrieb Ingrid Körner

    Ha, ich seh' schon: Ihr wollt uns unter Drogen setzen, damit wir die Theaterferien besser überstehen...

  • Am 04.11.2010 um 17:03 Uhr schrieb Franz-Xaver Hausmann

    Nicht nur weil's für Mitarbeiter reduziert ist schmeckt's verdammt gut!

    Sollte einer meiner Kollegen der Bühnentechnik das lesen - einfach mich ansprechen, dann spendier' ich einen Kasten!

  • Am 28.12.2012 um 12:05 Uhr schrieb Rolf Stähler

    Ein Inspirationsbier, wäre schön, wenn es auch heute wieder in den Ausschank für die Besucher kommen würde, oder?

New Comment