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13.03.13

Zur Erinnerung an Wolfgang Sawallisch

Als am 7. März die Trauerfeier für Wolfgang Sawallisch in der Heilig-Geist-Kirche stattfand, war die Anteilnahme groß: Musiker, Weggefährten und Verehrer des Dirigenten gedachten seiner in einem bewegenden Gottesdienst. Mitglieder des Staatsorchesters, des Chors und des Sängerensembles der Bayerischen Staatsoper musizierten in Erinnerung an ihn Mozarts Requiem unter der Leitung von Kent Nagano.

Kaum ein anderer prägte die Geschichte der Bayerischen Staatsoper im 20. Jahrhundert so sehr wie er: Über 1220 Vorstellungen und Konzerte hatte Wolfgang Sawallisch in fast 50 Jahren an der Bayerischen Staatsoper dirigiert oder als Pianist begleitet, von seinem ersten Simon Boccanegra im Jahr 1954 bis hin zu seinem letzten Festspiel-Konzert im Jahr 2003. Kein Wunder, dass sich mit seiner Person viele liebevolle Erinnerungen verbinden – ob nun die von Opern- und Konzertbesuchern oder die der Musiker, die tagtäglich mit ihm musizierten.

Mit dreien von ihnen haben wir gesprochen. Rüdiger Trebes, von 1991 bis 2012 als Sänger im Ensemble der Bayerischen Staatsoper, erinnert sich gern an ihn: „Ich hatte die große Ehre, mit ihm am Pult in diversen Produktionen mitwirken zu dürfen, zum Beispiel in Arabella, Gianni Schicchi, Die Liebe zu den drei Orangen und vielen mehr.“ Was zeichnete Sawallisch besonders aus? „Er war ein großartiger Dirigent und Musiker, mit den Augen immer an der Bühne, er ahnte drohendes ‘musikalisches Unheil’ immer im Vorfeld. Man fühlte sich als Sänger unter seinem Dirigat immer sicher.“

Hans Schöneberger, Soloklarinettist im Staatsorchester, erinnert sich ebenfalls gerne: „Ich hatte die große Ehre und das Glück, 22 Jahre unter GMD Wolfgang Sawallisch im Orchester und auch mit ihm als Pianisten zu musizieren. Es war eine großartige Zeit mit vielen Höhepunkten in der Oper wie im Konzert. Er hat mich und das Orchester in dieser Zeit stark geprägt. Ein ganz großer Dirigent, der es wie kein anderer verstanden hat, Orchester und Bühne zu koordinieren. Er war kein Pultstar, sondern hat als Kapellmeister im besten Sinne immer nur der Musik gedient.“

Simon Dent, ehemaliger Solooboist des Staatsorchesters, erzählt gerne von einer humoristischen Episode mit Sawallisch: „Ich habe einmal mit unserem wunderbaren Solofagottisten Detlef Kühl eine Jazzstudie für Oboe und Fagott von Wilhelm Killmayer einstudiert. Ein extrem kompliziertes Stück, nicht nur fingertechnisch, sondern auch in der rhythmischen Notierung und Artikulierung – wir hatten stundenlang geprobt! Zum Spaß brachte ich die Partitur zu einer Kammermusikprobe mit Sawallisch mit. Er sah die Noten ganz interessiert an, legte sie dann ans Klavier und fing im Stehen an zu spielen: Es jazzte und rockte und fetzte aus allen Röhren – wir mussten körperlich mitgehen! Danach standen wir mit offenem Mund da, völlig sprachlos. Er nahm die Noten, nickte mit Blick auf die Partitur anerkennend und gab sie mir zurück, mit dem leisen Hauch eines verlegenen Lächelns. Wir waren nun Mitwisser: Er beherrschte auch den Jazz!“

Von Johannes Lachermeier

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Kommentare (1)

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  1. Ich befürchte, daß Wolfgang Sawallisch einen “Fehler” begangen hat: er ist zu lange in München geblieben. Das war zwar schön für die Bayerische Staatsoper, aber andererseits hätte ein Mann von seinen Qualitäten schon viel früher als Chef an ein ganz großes Orchester gehört, nicht erst mit 70. Wie auch immer: ihm (und Silvio Varviso in Stuttgart)verdanke ich die schönsten “Meistersinger”, die ich in 40 Jahren gehört habe.

    — Dr.Michael Strobel · 26.03.13 · #




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