13.07.11
Zehn Pfund Freiheit vom Wild
„Freiheit ist käuflich“, „Freiheit kann man sichtbar machen“, „Freiheit kann einschränken“, „Frei und trotzdem unzufrieden“… Diese und viele andere Gedanken schwirrten zu Beginn des dritten Young Horses-Projektes in unseren Köpfen.
Ab Anfang April trafen wir, 15 Jugendliche und junge Erwachsene, uns regelmäßig zu Gesprächen und Proben, in denen wir zunächst das Thema für unsere Lounge, später dann konkrete Inhalte erarbeiteten. Uns allen war klar, dass wir uns mit dem Thema „Freiheit“ keine leichte Aufgabe gestellt hatten. Unzählige Philosophen, Dichter und Künstler beschäftigen sich seit Jahrhunderten mit diesem Begriff, und etliche Auseinandersetzungen mit diesem Thema hat man bereits gesehen.
Also probierten wir aus! Wir testeten, wie frei wir uns auf musikalischer und auf szenischer Ebene bewegen konnten. Wie funktioniert ein Instrument – aber wie könnte es noch funktionieren? Welche Texte müssen nicht zwingend erzählt werden, sondern können durch musikalische Einwirkung als Bild deutlich gemacht werden?
Also schrieben wir Texte, arbeiteten an Szenen, komponierten sogar eigene Melodien und bearbeiteten „Opernklassiker“ wie die „Habañera“ aus Carmen oder „Va pensiero“ aus Nabucco.
Drei Monate arbeiteten wir an diesem Projekt, und schließlich entstand im Endprobenprozess die Young Horses Lounge 3, das wir bei der Premiere am 1. Juli auf die Bühne des Marstalls stellen sollten (und natürlich wollten!).
Für mich war es eine völlig neue Erfahrung, da ich bislang nur in Jugendclubs an Schauspielhäusern mitgewirkt und mit Musik wenig zu tun hatte. Während dieser sehr intensiven Probenzeit habe ich erfahren, dass nicht nur Sprache Mittel zum Ausdruck ist, sondern auch Musik wunderbar Geschichten, Stimmungen und Emotionen vermitteln kann.
Als große Herausforderung empfanden viele von uns den Gesang vor Publikum. Singen als etwas, das tief in uns steckt, das vieles von einem Menschen preis gibt. Etwas, das so persönlich ist, dass viele von uns Angst vor dem seelischen Striptease auf der Bühne hatten und auch im Probenprozess lange brauchten, bis wir uns trauten.
Stimmtraining und Solostunden in Gesang, Schauspiel, Tanz und an den Musikinstrumenten halfen uns, Neues zu wagen, experimentierfreudig zu werden und letztendlich auch „freier“ und beweglicher zu werden.
Zum Schluss hat sich das viele Schuften, Denken und Ausprobieren natürlich gelohnt. Mit viel Freude und Spielwut meisterten wir drei Vorstellungen – zuletzt nicht ohne die eine oder andere Träne zum Abschied.
Von Markus Strobl
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