www
.blog
.staatsoper
.de

27.09.12

Neue Stühle fürs Nationaltheater

Das Parkett des Nationaltheaters hat eine neue Bestuhlung! Während der zurückliegenden Theaterferien wurden die über 800 Sessel von 1963 entfernt und durch neue ersetzt. Jahrelang wurde dieser Austausch in logistischer Feinst- und Kleinstarbeit geplant.

Der Startschuss für diese erste Runde der Erneuerung fiel bereits einige Wochen vor dem tatsächlichen Ausbau mit einer in überregionalen Zeitungen groß angekündigten Verkaufsaktion. 302 Stuhlobjekte, also Einzelstühle, Zweierkombinationen oder Dreierstuhlgruppen, gab es zu kaufen.

Das Echo war überwältigend! Das Telefon stand nicht mehr still, unser Postfach wurde mit Bestellungen begeisterter Operngänger überflutet, und so mussten wir bereits drei Tage nach Beginn des Stuhlverkaufs verkünden: „Es wurden bereits alle Stuhlobjekte aus dem Parkett verkauft. Vormerkungen für den Verkauf der Stühle im Balkon, der voraussichtlich in den nächsten Theaterferien (2013) stattfinden wird, werden gerne entgegengenommen.“

Und so rückten die Theaterferien immer näher. Der Startschuss für die Handwerker, die den Stuhlaustausch zu bewerkstelligen hatten, fiel direkt einen Tag nach der letzten Vorstellung der Spielzeit 2011/12. Innerhalb von fünf Tagen (!) waren die 50 Jahre alten Stühle verschwunden, zum Schreiner zur Montage und Auslieferung an die neuen Besitzer verfrachtet worden, außerdem war auch mit den Ausbesserungsarbeiten am Parkettboden begonnen worden.

Der Einbau der neuen Stühle nahm dann die restlichen Wochen der Theaterferien vollständig in Anspruch. Die Lagerung der Stühle und alle Arbeiten im Nationaltheater fanden sogar unter Videoüberwachung statt, sodass man sich als neugieriger Mitarbeiter, der „nur mal schauen“ wollte, doch so mancher Fantasie hingab, was wohl passieren würde, wenn man versuchte eine Armlehne ‚wegzufinden‘. Ausprobiert scheint es keiner zu haben. Stattdessen begnügten sich die meisten mit einem freundlichen Winken in Richtung Kamera.

Pünktlich zur ersten Vorstellung am 21. September 2012 erstrahlte das Parkett im Glanz der neuen Stühle und konnte erstmals ausgiebig bestaunt und eingesessen werden. So mancher Besucher ließ verlauten, er sähe keinen Unterschied – doch der liegt bekanntlich im Detail: für das bloße Auge mögen die Veränderungen kaum sichtbar sein – mal abgesehen vom strahlenden Weiß und Gold der Stuhllackierung und dem frisch strahlenden Samtbezug der Sitz- und Rückenlehnen. Jedoch wurden die Rückenlehnen ein wenig ergonomischer gestaltet und ein in Technik und Ausführung neuer Federkern im Sitzpolster sorgt für höheren Sitzkomfort. Die Sitznummern wurden von den alten Stühlen abmontiert, aufpoliert und aus Denkmalschutzgründen wieder an die neuen Stühle montiert. Und anstatt der Stuhlpatenschaftsplaketten von 1963 zieren bereits 450 neugravierte Plaketten die Stühle der Stuhlpaten von 2011/12.

Im Selbsttest haben die neuen Stühle zumindest bei mir bereits bestanden. Auch wenn sie noch etwas hart sind, sind sie doch um einiges komfortabler und bereit, von möglichst vielen Opernzuschauern eingesessen zu werden.

Was ist nun aber mit den alten Stühlen? Die haben ihren Altersruhesitz an vielen Stellen gefunden. Sie zieren den Sitzungssaal eines Bürgermeisters, heißen in verschiedenen Geschäftsräumen und Restaurants die Besucher willkommen und sorgen sogar im Wartezimmer einer Zahnarztpraxis für ein angenehmes Sitzerlebnis.

Und für alle, die mit dem Gedanken spielen sich in der nächsten Spielzeitpause einen Stuhl aus dem Balkon zu sichern – Sie dürfen sich gerne an mich wenden: stuhlverkauf@actori.de.

Von Evi Nagler

Bookmark

/ /

Fotogalerie

Kommentare (1)

Wir freuen uns über Ihre Kommentare! Beachten Sie jedoch, dass Ihr Beitrag nach der Vorschauansicht sofort online erscheint. Wir bitten Sie also, die üblichen Regeln des menschlichen Umgangs zu respektieren.


  1. Die neuen Stuehle sind schoen!

    monika-retusche · 31.10.13 · #




Wir auf