www
.blog
.staatsoper
.de

12.02.12

Magie und Handwerk

Ganz demokratisch wollte Wagner alles haben: Den ersten Horn-Einsatz im „Rheingold“-Vorspiel spielt nicht (wie meistens üblich) der Solohornist, nein, hier setzt der achte Hornist als erster ein, spielt das Natur-Motiv einmal, dann setzen nacheinander die anderen Hornisten ein und spielen dieses Thema im Kanon. Darüber schließlich die Streicher, „immer zart und leicht“, wie es in der Partitur heißt. Wenn alles glückt, ein magischer Moment!

Hinter diesen Klangwogen Wagners stecken allerdings eine Menge Arbeit, Technik und vor allem mentale Konzentration. Plötzlich völlig ungedeckt in der ersten Reihe zu stehen, und die ersten Töne auf das grundierende Kontra-Es der Bässe zu setzen – das ist schon aufregend. Klar, dass man da vor Beginn der Vorstellung angespannt ist. An die 2100 Zuhörer im Nationaltheater und die 85 Kollegen im Orchestergraben ist man ja gewöhnt, aber wenn dann auch noch, wie bei der Premiere, eine unsichtbare Masse von Radiozuhörern auf meinen ersten Ton warten, lässt das den Blutdruck schon steigen. Das Dilemma: Für einen sauberen Einsatz braucht es ein hohes Maß an innerer Ruhe. Und die muss man sich in einer solchen Situation erst wieder erarbeiten. Da heißt es also: tief durchatmen, Konzentration – dann klappt’s auch mit dem „Rheingold“-Vorspiel!

Damit sind die Klippen dieses Opernabends für uns Hornisten aber noch lang nicht umschifft. Außer „unserem“ Instrument spielen wir außerdem die Wagnertuba. Hornisten spielen Tuba? Nein – auch, wenn der Name anderes vermuten lässt, ist dieses Instrument von seiner Bauweise her sehr viel näher am Horn als an der Tuba. Es gibt die Wagnertuba in zwei verschiedenen Stimmungen, in B und F. Ich spiele die F-Wagnertuba, also die tiefere Variante. Besonders prägnant kommt sie in Nibelheim zum Einsatz: Wenn Alberich sich in die Riesenschlange verwandelt, liefern wir den passenden Sound dazu.

Nur selten taucht die Wagnertuba in der Opern- oder Konzertliteratur auf. Entsprechend spiele ich sie auch nur wenig – zuletzt hatte ich sie im Orchestergraben vor einem Jahr bei einer Bruckner-Symphonie in der Hand. Und so heißt es auch hier: Üben, üben, üben!

Aber nichts belohnt dafür mehr als ein geglückter Opernabend – und applaudierendes Publikum.

Von Christian Loferer

Bookmark

/ / /

Der Autor mit Instrument und Arbeitsstelle im Hintergrund

Kommentare (1)

Wir freuen uns über Ihre Kommentare! Beachten Sie jedoch, dass Ihr Beitrag nach der Vorschauansicht sofort online erscheint. Wir bitten Sie also, die üblichen Regeln des menschlichen Umgangs zu respektieren.




Wir auf