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16.11.12

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Ein Gesicht, in wenigen klaren Linien gezeichnet. Einzelne Gesichtspartien sind durch graphische Muster voneinander abgesetzt, an die Pop-Art der 70er Jahre erinnernd. Ein Mann in Trauer? In Verzweiflung? Hat er Angst? Seine Mundwinkel sind nach unten gezogen, Stirn und Brauen verkrampfen sich. Er weint – oder was ist das, was ihm da aus den Augen tritt?

Das Motiv des Künstlerduos Craig & Karl, das auf unserem Rigoletto-Plakat zu sehen ist, sorgte gestern, als wir es auf auf Facebook und Twitter vorstellten, für vielerlei Reaktionen: Rund 150 Freunde der Bayerischen Staatsoper gaben an, dass ihnen das Motiv gefalle – doch es kamen auch negative, teilweise sehr heftige Äußerungen.

„Scheußlich“, „abscheulich“, „eine Zumutung“ ist da zum Beispiel zu lesen. Ein User spielte sogar mit dem Gedanken seine Karten für die Aufführung zurückzugeben, ein anderer wollte einen Papierflieger aus dem Plakat basteln und immer wieder wurde gefragt „Ist das Kunst oder kann das weg?“.

Was an diesem Motiv ruft so heftige Reaktionen hervor?

In Verdis Rigoletto versucht der Protagonist, seine Tochter vor dem triebhaften Herzog von Mantua zu schützen. Und doch ist er selbst zutiefst in dessen Machenschaften verstrickt. Als er sich durch Mord aus dieser Zwickmühle zu befreien versucht, scheitert er – und verliert das Liebste, was er besitzt.

Das Craig & Karl zeigt in albtraumhafter Überdeutlichkeit einen trauernden Mann. Nichts mehr, nichts weniger. Assoziationsräume eröffnen sich, zu Verdis Oper, vielleicht zu eigenen Erfahrungswelten. Das mag als hässlich empfunden werden, das mag auch manche verstören. Aber es lässt offensichtlich kaum jemanden kalt. Und das ist schließlich nicht das schlechteste, was sich über Kunst sagen lässt.

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Von Johannes Lachermeier

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