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23.01.13

Die Ringe des Nibelungen

Er verleiht seinem Träger maßlose Macht, verwandelt Menschen, Riesen, Nibelungen und Götter in gierige Monster – und fordert volle 16 Opernstunden, um schließlich doch wieder dort zu landen, wo er herstammt: Wagners Ring. Wir haben der Kostümabteilung mal einen Besuch abgestattet um dieses Schmuckstück etwas genauer anzuschauen. Wichtigste Erkenntnis: Es gibt an der Bayerischen Staatsoper nicht den Ring des Nibelungen. Es gibt nur die Ringe; und zwar eine ganze Handvoll.

Was jetzt folgt, ist ein großes Stück Entzauberungsarbeit. Klar: Dass der Ring, der auf der Bühne zu sehen ist, nicht gerade aus magischem Rheingold geformt wurde, war fast anzunehmen. Tatsächlich wird er nämlich aus einem lapidaren Messingrohr gemacht. „Abschneiden, aufbohren, abdrehen“, bringt der Rüstmeister Thomas Straßer die Herstellung des Rings auf den Punkt. Zunächst werden mehrere kleine „Scheiben“ vom Rohr abgeschnitten, deren Loch dann auf verschiedene Größen erweitert wird – schließlich müssen die unterschiedlichen Ringe später an unterschiedliche Finger passen. Zum Schluss werden bei den einzelnen Ringen außen noch die entstandenen Unebenheiten abgeschliffen. Nach einer Politur sind sie fertig für den Bühneneinsatz.

Und dann erhält jeder Sänger und jede Sängerin, die den Ring auf der Bühne tragen, einen solchen. Zum Beispiel im Rheingold, dem ersten Teil der Tetralogie: Da trägt zunächst Alberich, der Nibelung, den Ring am Finger. Als nächstes geht er an den Göttervater Wotan, der ihn wiederum an den Riesen Fasolt verliert. Fasolt wird sodann von seinem Bruder Fafner getötet, der den Ring für’s Erste auch behalten darf.

Für unsere Kostümabteilung bedeutet das allerdings, dass vier Ringe bereitgestellt werden müssen – und sei’s nur für den Fall des Falles: Jeder der vier Herren hat nämlich zusätzlich zu dem Ring, den er dem jeweils anderen abnimmt, noch einen Ersatzring in der Mantel- oder Sakkotasche.

Wenn zum Beispiel Wotan den Ring in den Nibelungenhort schleudert, kann es durchaus vorkommen, dass dieser sich einfach in die Unterbühnenmaschinerie verabschiedet. Und könnte Fasolt dann nicht heimlich in seine Tasche greifen und den Ersatzring herausholen, sähe der Streit der Riesenbrüder ohne Ring wohl etwas eigenartig aus.

„Auf der Unterbühne dürften schon unzählige Ohrringe, Perlen, Ringe und Kettchen aus den unterschiedlichsten Vorstellungen verloren gegangen sein“, sagt auch Regine Brandl, Produktionsleiterin im Kostüm. Was da an Macht, Glanz und Reichtum verstreut liegen mag! Vielleicht sollte man sich gelegentlich einmal auf Schatzsuche begeben?

Von Johannes Lachermeier

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