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3.10.12

Der Tag der Deutschen Einheit an der Bayerischen Staatsoper

Opernhäuser waren schon immer Orte politischer Repräsentation. Ob im absolutistischen Bayern des 19. Jahrhunderts oder im demokratischen Deutschland der Gegenwart: Das Nationaltheater als Ort kommt gerne zum Einsatz, wenn es um die Selbstdarstellung des Staates geht. Und weil die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit dieses Jahr ohnehin in München stattfanden, wären wohl nur wenige andere Orte der Stadt für den offiziellen Festakt näher gelegen als die Bayerische Staatsoper – zumal damit auch das musikalische Programm sichergestellt war.

Anderthalb Jahre Gespräche mit der Staatskanzlei gingen diesem Termin voraus, seit sieben Monaten wurde konkret geplant. Unzählige Hausbegehungen mit den unterschiedlichsten Vertretern des Bundespräsidialamts, des Kanzleramts, der Bürgerdelegationen, der Staatskanzlei und vielen anderen mussten im Vorfeld absolviert werden, um alle räumlichen, technischen und organisatorischen Fragen zu klären.

Besonders die letzten Tagen waren für viele Mitarbeiter des Hauses immens anstrengend: Technik und Hausverwaltung waren sogar in Nachtschicht im Einsatz, damit zwischen der Vorstellung von „Tannhäuser“ am Vorabend, dem Festakt und der abendlichen Aufführung von „Fidelio“ alles glatt gehen konnte. Denn die Anwesenheit so vieler hochrangiger Poltitiker und Honoratioren und die Live-Übertragung im Fernsehen verlangten auch außergewöhnliche Maßnahmen: Stühle mussten ausgebaut werden, Chor und Orchester mussten anders auf der Bühne platziert werden als bei unseren Konzerten (was auch eine zusätzliche Bauprobe erforderlich machte), die Sicherheitsauflagen mussten streng beachtet werden. Immerhin waren mit Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Verfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle und Bundestagspräsident Norbert Lammert die obersten Repräsentanten der Bundesrepublik anwesend.

Am Ende ging alles gut – auch wenn wegen einer Sicherheitspanne kurzzeitig unseren Chormitgliedern der Zutritt zum Haus verweigert wurde. Generalmusikdirektor Kent Nagano dirigierte einen kurzen orchestralen Auszug aus Strauss’ „Rosenkavalier“, darauf folgte der Kinderchor mit einer Bearbeitung von Schuberts „Lindenbaum“. Und bevor alle Anwesenden am Ende gemeinsam Bayern- und Deutschlandhymne sangen, stand noch der Schlusschor aus Beethovens 9. Symphonie auf dem Programm.

Im Anschluss daran folgte vor dem Nationaltheater der farbenprächtige Aufmarsch von Trachtengruppen aus ganz Deutschland. In 15- bis 20-sekündigen Häppchen durften diese den anwesenden Gästen noch Bruchstücke typischer Volkstänze ihrer Regionen präsentieren. Und als der Bundespräsident um 15.30 Uhr schließlich das Haus verließ, atmeten etliche Mitarbeiter der Staatsoper auf. Denn auch wenn die Politik im Haus zu Gast war – am Abend öffnet sich der Vorhang schließlich wieder.

Nun also auf zu „Fidelio“!

Von Johannes Lachermeier

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