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11.12.12

„Mio padre!“ – Bilder von Vätern und Töchtern, Teil 2

Simone und Victor Camilleri

Auf dem Bild sind mein Vater Victor und ich als Dreijährige auf Malta zu sehen. Als Erstgeborene und Mädchen war ich sein Augapfel. Als junges Mädchen bekam ich ein Stipendium, um Klavier und Gesang in Deutschland zu studieren. Trotz der großen Entfernung blieb mein Vater für mich Rückhalt und Ratgeber. Als er dann alt und gebrechlich wurde, hat er sich total auf mich verlassen. Plötzlich war ich sein Rückhalt, die Rollen waren vertauscht. Ich konnte ihm etwas zurückgeben! Unsere enge Beziehung hielt bis zu seinem Tod im Jahre 2000.

Katharina und Georg del Alamo

Susanne Ullmann und ihr Vater

Ein Bild von meinem Vater und mir, das mittlerweile rund 26 Jahre alt ist. Es zeigt uns bei einem morgendlichen Ritual meiner Kindheit: Gemeinsam im Bett sitzen, Kaffee respektive Kakao trinken und ein Buch lesen. Das Besondere daran: Mein Vater ist derartig fantastisch im Vorlesen, dass jede Figur aus all meinen Kinderbüchern eine andere Stimme und einen eigenen Charakter hatte. Jeder Morgen war quasi eine private Theatervorstellung. Wenn wir heute, an einem der wenigen Tage im Jahr, an denen wir uns sehen, bei einem gemeinsamen Glas Wein in der Küche stehen und kochen, erzählt er gerne Geschichten und Witze. Und noch immer hat jede Figur eine eigene Stimme. So wird die Küche zum kleinsten Theater der Welt…

Marja-Leena und Veijo Varpio

Mein Vater war als Tenorsolist engagiert an der finnischen Nationaloper Helsinki, der Oper Wuppertal, Düsseldorf und an ca. 60 weiteren großen Opernbühnen in Mitteleuropa. Außerdem hat er das Savonlinna Opernfestival und vor allem das Helsinki Festival geleitet. Er hat auch die Rolle des Duca di Mantova gesungen.

Ich selbst bin in Helsinki geboren und war nach meinem Schulmusikstudium als Sopranistin an der Wiener Volksoper, der Staatsoper Stuttgart, der Oper Helsinki und internationalen Festivals tätig, konzertant habe ich auch Gilda gesungen.

Das Bild von meinem Vater und mir stammt von unserer gemeinsamen in Helsinki erschienenen CD mit Weihnachtsliedern.

Karin Siedenburg und ihr Vater

Anneli Tillmanns-Liesz und ihr Großvater

Ich finde dieses Bild so schön, da der Spaß deutlich in unser beider Gesichter geschrieben steht. Ich glaube, man braucht dazu nicht viel mehr erklären. Das Bild entstand in Finnland im Sommerhaus unserer Großeltern.

Sylvia Eisermann und ihr Vater

Mein Vater war von 1967 bis 2002 Hornist im Bayerischen Staatsorchester. Zu Hause hat er jeden Tag seine Tonleitern geübt. Als ich klein war, fand ich das so toll, dass ich jedesmal, wenn er übte, mitmachen wollte. Deshalb bekam ich irgendwann ein Kinder-(Plastik-)Horn geschenkt, setzte mich neben meinen Vater und „übte“ mit. Auf dem Photo bin ich ca. 3 bis 4 Jahre alt. Später habe ich mich allerdings „emanzipiert“, mir die Geige als Instrument gesucht und fortan davon geträumt, auch irgendwann im Orchester meines Vaters zu spielen. Dieser Traum erfüllt sich seit 2004. Leider habe ich nie zusammen mit meinem Vater im Orchester gespielt.

Adrienne-Sophie und Michael Hoffer

Vesela Haltakova und ihr Vater

Die Geschichte hinter diesem Bild sieht man vermutlich sofort: meine Hochzeit vor vier Jahren. Das Bild ist nur wenige Minuten nach der kirchlichen Trauung aufgenommen, sein Blick sagt alles. Mein breites Lächeln eigentlich auch…

Regina Knappik und Hubert Ebner mit Schwester

Auf einer Reise nach Danzig im Jahr 1935 verliebte sich mein Vater Hubert Ebner in meine bildschöne Mutter Margarete und zeugte so nebenbei ein Kind – mich! Nach der Geburt kam ich als ledig Geborene ins Kinderheim. Als er mich dort sah und ich ihn mit großen Guckerln anlachte, verliebte er sich unendlich in mich, und er wollte mich unbedingt behalten. Meine Eltern zogen nach Wien, wo ich mit ihnen und meiner Schwester Hannelore aufwuchs. Ich war sein „Prinzesschen“, das er sehr liebte und verwöhnte. Auf dem Foto sind wir mit meiner Schwester bei seinem Fronturlaub an Weihnachten 1943 zu sehen. Nachdem er nach dem Krieg aus der Gefangenschaft zurückhgekommen war, ließen sich die Eltern scheiden. Ich zog mit meiner Mutter 1952 nach Deutschland. Meinen Vater durfte ich in der Folge weder sehen noch ihm schreiben.

Erst mit 18 Jahren konnte ich ihn in Linz besuchen und tat das auch regelmäßig. Seiner neuen Frau und meiner Mutter war das jedoch ein Dorn im Auge. Ich hing wahnsinnig an ihm, und auch er überschüttete mich mit seiner Liebe.

Nach einem Schlaganfall im Jahr 1990 wies ihn seine Frau in ein Pflegeheim ein. Er flehte uns an, ihn wieder aus dem Heim zu nehmen, was mir nicht gelang, da ich mittlerweile in Köln lebte. Vier Monate später starb mein Vater an gebrochenem Herzen – und so endete eine Vater-Tochter-Liebe.

Am 3. November dieses Jahres wäre er 100 Jahre alt geworden.

N.N.

Nach sechs langen Stunden geduldigen Wartens auf dem Münchner Marienplatz blicken Vater und Tochter dem “Vater Unser” und dem päpstlichen Segen durch den Heiligen Vater Benedikt XVI. durchaus auch kritisch reflektierend entgegen… Da ist das Vaterhaupt eine willkommene Stütze für die Rautenfahnenschwenkerin (eventuelle Assoziationen zu Raffaels sixtinischen Engerln sind von der Haltung her augenfällig, aber rein zufällig).

Von Die Leser dieses Blogs

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