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9.11.12

„Der Turm stürzt mit Getöse zusammen.“

„Der Turm stürzt mit Getöse zusammen.“ – Es ist eine lapidare Regieanweisung in Peter Sloterdijks Libretto von „Babylon“. Und doch ist der Einsturz des Turms von Babel im letzten Bild der Oper eine der größten technischen Herausforderungen der Inszenierung von Carlus Padrissa.

Das bestimmende Moment im Bühnenbild von Roland Olbeter sind die vielen einzelnen Bausteine, deren Vorderseite mit einem Buchstaben versehen sind: Symbole der babylonischen Vielfalt. Sie bilden alle Schauplätze der Inszenierung vom Tor der Ischtar über die Treppe zur Unterwelt bis hin zum babylonischen Turm.

Damit dieser jedoch überhaupt umstürzen kann, muss er zunächst einmal aufgebaut werden. 19 Statisten sind während des ersten Teils der Aufführung (mit Unterbrechungen) eine knappe halbe Stunde mit dem Aufbau beschäftigt. Ein anstrengender Job: Jeder einzelne der Styroporblöcke bringt rund 12 bis 18 Kilo auf die Waage. Umhüllt sind sie mit einer Schicht aus Polyurethan, einem sehr widerstandfähigen Kunststoff.

Bis der Turm bei der Premiere so stürzte, wie Sie es vielleicht gesehen haben, haben wir etliche Dinge ausprobiert. Zunächst hatten wir versucht, den Turm in ein direkt davor hängendes Netz stürzen zu lassen. Doch das machte eher einen langweiligen Eindruck. Es sollte schließlich richtig krachen!

Dreimal probten wir den Einsturz, so wie er am Ende dann auf die Bühne kam. Beim ersten Versuch schlossen wir aus Sicherheitsgründen den Eisernen Vorhang. Carlus Padrissa und Roland Olbeter stellten sich direkt vor den Eisernen. Die Steine flogen mit soviel Kraft nach vorne, dass Regisseur und Bühnenbildner ein paar blaue Flecken davon trugen.

Um das Orchester nicht zu gefährden haben wir es als nächstes mit einer Fallgrube aus Podium 1 und 2 probiert, bis wir einsehen mussten, dass ohne Netz ein sicherer Sturz nicht möglich war.

Die finale Lösung des Turmsturzes läuft seit der Generalprobe folgendermaßen ab:
Zunächst senken sich die beiden Podien vor dem Turm um einen einen Meter nach unten. Eine Grube entsteht, in die der Turm stürzen kann. Dann wird das Podium 3, auf dem der Turm steht, ebenfalls um einen Meter abgesenkt.

Die Basis des Turmes ist vorne am Podium fixiert und hinten mit Stahlseilen aufgehängt. Dadurch, dass der Boden nach unten fährt und der Hinterteil der Basis in der Luft gehalten wird, entsteht eine Schräge von der die Steine nach vorne fallen. Die Steine entwickeln eine solche Sprungkraft, dass sie über einen Meter hoch und 7 Meter nach vorne springen.

Um zu vermeiden, dass einer unserer Kollegen im Orchestergraben von einem Stein erschlagen wird, spannen wir unmittelbar vor dem Einsturz ein Netz an der Vorderkante des ersten Podiums. So besteht keine Gefahr, dass Teile in den Graben fallen.

Insgesamt vier Tonnen Steine sind hier verbaut worden. Beim Aufprall auf die Podien macht das einen Impuls von etwa 30 Tonnen. Eine ganze Menge also, die unser Bühnenboden da verkraften muss.

Aber vielleicht sind Bilder etwas aussagekräftiger als Worte. In unserem kleinen Mitschnitt von der Generalprobe (mit der Handykamera aufgenommen) sehen Sie den Turmeinsturz hautnah von der Seitenbühne:

Von Peter Buchheit

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